Kommentar

Ziel verfehlt

Alexander Jungert zu befristeten Arbeitsverträgen

Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, die Zahl der befristeten Jobs – die ohne Angaben von Gründen vergeben werden – zu reduzieren. Wer sich nun die Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung anschaut, bemerkt schnell: Ziel verfehlt, und zwar deutlich. Noch nie sind so viele befristete Jobs registriert worden wie im Jahr 2018. Millionen Menschen in Deutschland arbeiten – auf Zeit.

Klar, Betriebe können mit Befristungen flexibel reagieren, wenn sich die Geschäftslage ändert. Und klar besteht die Möglichkeit, dass aus Befristungen irgendwann feste Arbeitsverhältnisse werden. Doch erst einmal leben Betroffene mit einer hohen Unsicherheit. Denn wer als Berufseinsteiger eine Familie gründen oder einen Kredit für die eigene Wohnung bekommen will, der braucht einen sicheren Arbeitsplatz – und keinen wackeligen Vertrag, bei dem sich eine Verlängerung an die nächste reiht. Durch eine Wirtschaftsflaute wächst zudem das Risiko, am Ende der Vertragslaufzeit auf der Straße zu stehen. Eine richtige Perspektive sieht anders aus.

In Zeiten des Fachkräftemangels schaden sich Unternehmen schnell selbst, wenn sie jungen Menschen nur Verträge auf Zeit anbieten. Die sehen sich dann lieber woanders um. Wundern darf das keinen.