Kommentar

Ziemlich beste Freunde

Thomas Spang über die Ängste vor dem Trump-Putin-Gipfel in Helsinki: Verrät der US-Präsident die westlichen Werte und paktiert mit dem Kreml-Chef?

Donald Trump liefert jeden Anlass, daran zu glauben, dass er in der Schuld Wladimir Putins steht. Warum sonst würde der US-Präsident dem Ex-KGB-Mann im Kreml mehr Vertrauen schenken als seinen eigenen Geheimdiensten? Zumal deren Befunde über die russische Einmischung bei der Präsidentenwahl 2016 außer Frage stehen.

Statt Präsident Putin öffentlich zur Rede zu stellen, insistiert Trump nun beim Gipfel am 16. Juli in Helsinki auf ein geheimes Vieraugengespräch mit ihm. Wohlgemerkt wäre auch jede Begegnung, an der sich Regierungs-Experten beteiligten, vertraulich. Nur es gäbe dann Zeugen und auch die Möglichkeit einer Intervention. Indem Trump so tut, als handele es sich bei Putin um seinen besten Freund, nährt er Befürchtungen über einen Verrat am Westen. Putins Positionen vertritt Trump schon lange. Seine ätzende Kritik an Nato und Europäischer Union sowie die Forderung, Russland wieder in die G7 aufzunehmen, stammen direkt aus dem außenpolitischen Drehbuch des Moskauer Kreml. Schon steht die Sorge im Raum, ein geheimer „Trump-Putin“-Pakt könnte den Anfang vom Ende der Nachkriegsordnung bringen. Dies hätte Konsequenzen für Europa, dessen Freiheit und Sicherheit bisher auf dem transatlantischen Bündnis beruhte.

Als Gradmesser für den Ausverkauf westlicher Werte bietet sich die Krim an. Falls Trump die erste gewaltsame Grenzveränderung seit dem Zweiten Weltkrieg akzeptiert, kehrte auf dem Kontinent das Recht des Stärkeren zurück. Nicht nur die baltischen Staaten hätten Anlass, besorgt darüber zu sein. Die Europäer fänden sich als Spielball der Interessen zweier „Mein-Land-Zuerst“-Präsidenten wieder.

Zum Thema