Kommentar

Ziemlich heuchlerisch

Alexander Müller zu Rummenigges Kritik am Bezahl-TV

Als glaubhafter Verfechter der Interessen des normalen Fußball-Fans ist Karl-Heinz Rummenigge eine denkbar schlechte Wahl. Natürlich hat der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern völlig recht, wenn er die Nachteile der Tatsache thematisiert, dass die Champions League hinter den Schranken des Bezahlsenders Sky und des Streamingdienstes DAZN verschwunden ist. Gerade die beiden prickelnden Duelle der Münchner gegen Klopps FC Liverpool hätten – wenn sie im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt worden wären – das Potenzial zu echten Straßenfegern gehabt. Die Sponsoren freut es ebenfalls nicht, wenn plötzlich nur noch ein paar Hunderttausend statt wie früher mehrere Millionen in den Wohnzimmern zuschauen.

Aber Rummenigges Problem bei dieser Frage ist die fehlende Glaubwürdigkeit seiner Person und seines Vereins. Der FC Bayern hat sich in den vergangenen 20 Jahren als der Club hervorgetan, der sowohl national als auch international immer wieder auf eine massive Steigerung der Erlöse aus dem Fernsehgeschäft gedrängt hat – die Folgen der sich immer schneller drehenden Kommerzspirale waren dabei nachrangig.

Erinnert sei dabei nur an den hinter dem Rücken der Konkurrenten geschlossenen Geheimvertrag mit dem Medien-Unternehmer Leo Kirch 1999 oder die regelmäßig infrage gestellte solidarische Verteilung der Fernsehgelder in der Bundesliga. Wenn Rummenigge nun plötzlich sein Herz für die Bedürfnisse des normalen Fußball-Fans entdeckt, ist das eine löbliche späte Erkenntnis. Aber eben auch ziemlich heuchlerisch.