Kommentar

Zittern um Merkel

Stefan Vetter findet, die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, wie es um die gesundheitliche Verfassung der Kanzlerin bestellt ist

Dieses Bild ging am Donnerstag um die Welt – eine deutsche Kanzlerin, die bei der offiziellen Begrüßung ihrer dänischen Amtskollegin zeitweilig sitzen muss. Es ist auch ein Bild der Schwäche. Drei Mal innerhalb weniger Wochen hat Angela Merkel bei vergleichbaren Anlässen stehend einen Zitteranfall bekommen. Über eine „Verarbeitungsphase“ hat sie selbst gesprochen. Der psychologische Druck muss demnach enorm gewesen sein, dass sie ein viertes Mal innerhalb kurzer Zeit hätte zitternd dastehen können.

So gesehen war die Idee mit dem Stuhl ganz pfiffig. Aber sie löst womöglich nicht das Problem. Natürlich sind Politiker keine Maschinen. Sie sind Menschen mit gesundheitlichen Stärken und Schwächen. Und richtig ist auch, dass dies in Deutschland in allererster Linie eine Privatangelegenheit ist. Als führende Politikerin des Landes steht Merkel allerdings wie kaum jemand anderes im öffentlichen Rampenlicht. Also hat die Öffentlichkeit auch ein Recht darauf zu erfahren, wie es um ihre Gesundheit wirklich steht.

Auch im Ausland. Wer als „mächtigste Frau der Welt“ gilt, muss damit leben, dass man genau hinschaut. Von der Bundeskanzlerin ist bekannt, dass sie nicht viel Aufhebens um ihre Person macht, was sie für viele ja auch so sympathisch macht. Aber nicht um den Preis der Vertuschung einer möglichen ernsthaften Erkrankung. Nächste Woche wird Merkel 65. Danach geht sie in den Sommerurlaub. Zeit, um Kraft zu tanken und sich zu kurieren. Sollte das Zittern anschließend immer noch auftreten, wird Merkel das Problem nicht mehr aussitzen können.