Kommentar

Zu lange zu wenig getan

Archivartikel

Wolfgang Mulke über die Investitionen der Deutschen Bahn

Insgesamt 86 Milliarden Euro steckt der Bund in den kommenden zehn Jahren in die Renovierung des maroden Bahnnetzes – zum größten Teil aus Steuermitteln, zu einem kleineren Teil aus der Konzernkasse. Sicher wird es auch diesmal nicht an Kritik mangeln, die Bahn sei finanziell ein Fass ohne Boden. Dieser Eindruck wird sich noch verstärken, weil das jetzt verabschiedete Paket nur einen Teil des Finanzbedarfs abdeckt.

So werden weitere bis zu 30 Milliarden Euro für die Digitalisierung des Schienennetzes fällig, um die Kapazität des Netzes zu erhöhen. Einen zweistelligen Milliardenbetrag werden außerdem die bereits geplanten Neu- und Ausbauprojekte verschlingen. So müssen beispielsweise die Knotenbahnhöfe erweitert werden. Unter dem Strich kostet die Bahn den Steuerzahler also einen riesigen Milliardenbetrag.

Doch dieser enorme Aufwand ist auch eine Folge jahrzehntelanger Versäumnisse. Unterlassene Reparaturen werden mit der Zeit nur teurer, müssen irgendwann aber doch erledigt werden. Diesen Nachholbedarf beziffert die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) allein schon auf 60 Milliarden Euro. Der Bund als Verantwortlicher für das Netz hat zu lange zu wenig getan und muss jetzt zum teuren Befreiungsschlag ausholen.

Die positive Botschaft lautet: Ein Ende ist in Sicht. Denn wenn es so läuft wie geplant, wird Deutschland in zehn Jahren über ein modernes, hochwertiges, leistungsfähiges und umweltfreundliches Verkehrsmittel verfügen. Das ist den Aufwand wert.