Kommentar

Zu riskant?

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Walter Serif zum Eurofighter-Unglück: Der Crash der zwei Kampfjets wirft auch die Frage nach dem Sinn solcher Manöver auf

Zwei Piloten simulieren mit ihren Eurofightern einen Luftkampf. Wie waghalsig solche Manöver sein können, wissen Militärexperten. Das dämmert nach dem schwersten Unglück der Bundeswehr seit Jahren auch den Nicht-Experten. So zynisch es klingen mag: Es grenzt fast an ein Wunder, dass am Montag nur ein Pilot ums Leben gekommen ist. Die Abstürze hätten in einer Katastrophe enden können. Mecklenburg-Vorpommern mag im Vergleich zu Baden-Württemberg dünn besiedelt sein, aber Menschen leben im Absturzgebiet schon.

Das Unglück wirft erneut ein Schlaglicht auf die Bundeswehr, die nach dem Amtsantritt von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) 2013 in der Regel negative Schlagzeilen produziert. Die CDU-Politikerin hat umfassende Reformen versprochen, steht aber in Wirklichkeit vor einem Trümmerhaufen. Obwohl ihr Etat kräftig aufgestockt wurde, fehlt es überall. Am Material. Am Personal. Und vielleicht auch an der richtigen Strategie. Denn die Ministerin hat immer wieder verlangt, Deutschland müsse international mehr Verantwortung übernehmen – doch wie soll das geschehen, wenn die Armee nur bedingt einsatzfähig ist?

Auch der Eurofighter ist ein Paradebeispiel dafür, wie viel in der Bundeswehr schiefgeht. Bei ihm explodierten nicht nur die Anschaffungskosten (mehr als 100 Millionen Euro), auch die Produktion verzögerte sich um Jahre. Deshalb setzt die Bundeswehr noch immer zusätzlich die veralteten Tornados – auch im Ausland – ein. Zwar ist nach Angaben des Luftwaffen-Inspekteurs Ingo Gerhartz vor dem Unglück seit 2004 kein Eurofighter mehr abgestürzt. Aber auch diese Maschinen sind anfällig. Die Bundeswehr bezifferte die Einsatzfähigkeit auf nur 60 Prozent. Das Ziel seien 70.

Für die Wartung der Maschinen sei die Industrie verantwortlich, heißt es bei der Bundeswehr. Dennoch werde die Mindestzahl von 140 Flugstunden im Jahr nicht unterschritten. Nur, reicht das aus, um ein Unglück zu verhindern? Der ums Leben gekommene junge Kampfpilot hatte rund 400 Stunden Flugerfahrung, der überlebende zweite Pilot mehr als 3700.

Bis die Unglücksursache feststeht, werden die Spekulationen nicht abreißen. Klar ist nur, dass der Crash nicht ohne Folgen bleiben kann. Die Linke verlangt ein Ende der Luftkampfübungen und dürfte damit nicht nur den Menschen in Mecklenburg aus der Seele sprechen, obwohl die Forderung aus dieser Ecke keine Überraschung ist. Wenig überzeugend dagegen CDU-Verteidigungsexperte Henning Otte, der meint:„Die Bundeswehr muss dort üben, wo sie im Bedarfsfall auch verteidigt.“

Vielleicht hat er es nicht mitbekommen: Der Russe kommt nicht mehr – höchstens übers Internet. Im Kalten Krieg war die Angst vor ihm noch groß. Deshalb wurde hingenommen, dass 108 Piloten bis 1991 starben, weil sie in einem Starfighter saßen, der „Sargfighter“ genannt wurde. Und heute könnten die Piloten auch noch häufiger den Flugsimulator benutzen.

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