Kommentar

Zu viele Baustellen

Jürgen Berger zum Aus von Alexander Zverev bei den ATP Finals

Beim Saisonfinale war er plötzlich wieder da – der „alte“ Alexander Zverev. Deutschlands bester Tennisspieler hatte seine Emotionen beim vorzeitigen Aus bei den ATP Finals nicht unter Kontrolle. Der Hamburger schimpfte, haderte und ließ den angestauten Frust an seinem Schläger aus. Zudem wackelte der Aufschlag gewaltig. Es war ein Rückfall in eigentlich überwunden geglaubte Zeiten, der einen gelungenen Jahresabschluss verhinderte.

Zverev fehlte vor allem die Leichtigkeit, die ihn seit dem Neustart der ATP-Tour im August zu zwei Turniersiegen und zwei weiteren Endspiel-Teilnahmen verholfen hatte. Der 23-Jährige schien mental am Limit. Inwieweit das an den Schlagzeilen neben dem Platz liegt, lässt sich nur erahnen. Zverev hat die Vorwürfe der häuslichen Gewalt seiner Ex-Freundin Olga Sharypova vor dem Turnierstart in London vehement zurückgewiesen – seitdem schweigt er. Seine Teammitglieder dürfen selbst zu sportlichen Themen keine Auskunft geben.

Der US-Open-Finalist hat zu viele Baustellen zu beackern, um sein Leistungsoptimum abrufen zu können. Das ist bitter und kostet Kraft. Dabei braucht Zverev gerade jetzt einen klaren Plan. In den nächsten Wochen müssen die Weichen für die neue Saison gestellt werden, in der er endlich seinen ersten Grand-Slam-Titel gewinnen möchte.