Kommentar

Zu viele Schwächen

Archivartikel

Wolfgang Mulke drängt auf mehr Schutz für Verbraucher

 

Das Lebensmittelbuch in Deutschland ist der Idee nach eine tolle Sache. In der Praxis hapert es mit der Umsetzung der dort aufgestellten Leitsätze jedoch. Industrie, Wissenschaft, Kontrollbehörden und Verbraucher legen gemeinsam Leitlinien für rund 2000 Lebensmittel fest. Darin ist genau geregelt, wie viele Kirschen in der Schwarzwälder Kirschtorte und wie viel Butter in einer Buttercreme enthalten sein sollten. Auf diese Weise sollen die Angebote im Supermarkt auch den Erwartungen der Kunden entsprechen.

Doch die im Prinzip sinnvolle Einrichtung hat Schwächen. So sind die Leitsätze nicht verbindlich. Und mitunter ist ein Weg daran vorbei für Unternehmen lukrativer, wie das Beispiel Eis zeigt. Da lassen sich Hersteller Produktbezeichnungen einfallen, die im Lebensmittelbuch nicht beschrieben sind und für die es daher keine konkrete Qualitätsbeschreibung gibt.

Das dient dazu, den Verbraucher hinters Licht zu führen. Beim Eis mit Erdbeergeschmack dürfte eine Mehrzahl der Kunden Fruchteiskrem erwarten. Tatsächlich langt schon ein Aromazusatz, um das Versprechen auf der Verpackung zu erfüllen. Da ist von der Industrie mehr Klarheit und Wahrheit im Sinne der Verbraucher gefordert.

In der Vergangenheit gab es schon viel Kritik an der Kommission, die die Leitsätze festlegt. Ein großes Manko hat das Gremium, in dem auch Verbraucherschützer sitzen, trotz einer Reform vor ein paar Jahren. Die Grundsätze müssen einstimmig verabschiedet werden. Dort, wo die Industrie keine Transparenz will, ist sie auch nicht durchsetzbar. Da schauen die Verbrauchervertreter in die Röhre. Eine konsequentere Ausrichtung der Leitsätze an den Interessen der Kunden wäre wünschenswert.

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