Kommentar

Zu zögerlich

Archivartikel

Rolf Obertreis über Investitionen in Nachhaltigkeit

Es klingt auf den ersten Blick gut. 72 Prozent der deutschen Großanleger – Fonds, Versicherungen, Pensionskassen, Banken und Unternehmen – achten bei ihren Kapitalanlagen auf Nachhaltigkeit. So viele wie nie zuvor. Sie investieren also in Aktien und Anleihen von Unternehmen, die sich Umwelt-, Klimaschutz und soziale Standards auf die Fahnen geschrieben haben. Auf den zweiten Blick aber zeigt sich: Sie bewegen sich immer noch in einer Nische. Nur fünf Prozent des gesamten Anlagekapitals stecken hierzulande in nachhaltigen, klimafreundlichen und ethisch ausgerichteten Unternehmen. 200 Milliarden Euro klingt viel, ist aber sehr überschaubar.

Dabei gibt es gegenüber konventionellen Anlagen, das ist durch Studien belegt, längst keine Renditenachteile mehr. Warum trotzdem noch gezögert wird, bleibt unergründlich. Zumal auch Großanlegern das Thema Klimawandel nicht unbekannt sein dürfte.

Erschreckend ist, dass nur die Hälfte der Kreditinstitute nachhaltig investiert. Hat die andere Hälfte die Zeichen der Zeit nicht erkannt? Die Chancen sind da, die Banken sollten vorangehen und sie ergreifen. Der Kampf gegen den Klimawandel erfordert viel Geld für Investitionen in eine verbesserte Infrastruktur, in Energieeffizienz, in den Bau neuer Solar- und Windkraftanlagen. Stattdessen bringen die Institute viel Geld zur Europäischen Zentralbank und klagen, dass sie dort für Einlagen einen Strafzins von minus 0,4 Prozent zahlen müssen. Schnell müsse gehandelt werden, sagen renommierte Experten. Wie lange will die Hälfte der Kreditinstitute noch warten?

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