Kommentar

Zugang für alle gleich?

Thorsten Langscheid über die neue Rhein-Neckar-Tram

Fast durchgängig barrierefreie Straßenbahnen sind Auslaufmodelle. Leider. Der technische Aufwand, Niederflur-Züge ohne Drehgestelle auf der Ein-Meter-Spur des regionalen Schienennetzes mit seinen teils sehr engen Kurvenradien zu betreiben, ist zu hoch – zu diesem Ergebnis ist die RNV nach über 20 Jahren Betriebspraxis gekommen. In den neu bestellten Zügen türmen sich – je nach Fahrzeuglänge – zwischen vier und acht Radkasten-„Gebirge“ als unüberwindliche Hindernisse für mobilitätseingeschränkte Menschen auf.

Problematisch wird es für Rollstuhlfahrer oder Mütter mit Kinderwagen zudem, im Verdrängungswettbewerb um die zugänglichen Bereiche der Wagen zu bestehen. Etwa mit Passagieren, die „nur“ am Stock gehen und denen es zwar nicht unmöglich, aber doch zu mühsam ist, auf die Podeste über den Straßenbahn-Achsen zu steigen und sich dort hinzusetzen.

Hat man das Stufenproblem bei der Konzeption der neuen Fahrzeuge unterschätzt? Barrierefreiheit, das ist in mehreren gesetzlichen Vorschriften unmissverständlich niedergelegt, bedeutet gleichen Zugang für alle zu allen Bereichen. Die Rhein-Neckar-Tram ist somit ein – wenn auch technisch begründeter – Rückschritt. Immerhin: Die Verkehrsbetriebe geben sich viel Mühe, trotz des konzeptionellen Webfehlers ein Höchstmaß an Barrierefreiheit herzustellen.

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