Kommentar

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Detlef Drewes fordert Regelungen beim Vertrieb von Remdesivir

Remdesivir ist kein Zaubermittel. Die Hinweise darauf, dass es die Behandlung einer schweren Covid-19-Infektion verkürzen kann, sind dennoch vielversprechend. Es ist an der Zeit, dies in einem kontrollierten Probebetrieb herauszufinden – im Fachjargon: bedingte Zulassung. Doch Mediziner und Hersteller sind ebenso zurückhaltend wie die zuständigen Politiker. Denn noch weiß niemand, ob der Hersteller wirklich in der Lage ist, die Welt damit zu versorgen. Es gibt inzwischen Lizenzvereinbarungen mit Pharma-Unternehmen in 127 Ländern.

Noch bis vor wenigen Tagen war die EU nicht dabei. Die Union und die Mitgliedstaaten stehen bei diesem Medikament vor einem Testlauf für den sehr viel schwerwiegenderen Ernstfall, der sich dann einstellt, wenn es erst einmal einen Impfstoff gibt: Wie stellt man sicher, dass ein hilfreiches Arzneimittel oder gar eine vielversprechende Impfung zu einem vertretbaren Preis der gesamten Menschheit zur Verfügung steht? Es wird auch dann Lizenznehmer geben, darunter Konzerne aus allen Teilen der Welt. Der Schutz vor dem Coronavirus darf kein Besitz der reichen Länder werden.

Nach Angaben der US-Firma kann bis zum Jahresende genügend Remdesivir für die Behandlung von einer Million schwerer Covid-19-Infektionen hergestellt werden. Nach welchen Kriterien wählt wer die Begünstigten aus? Und was wird getan, wenn sich herausstellt, dass Remdesivir auch bei leichteren Infektionsverläufen hilfreich ist? Die Politik sollte vorbeugend Regelungen finden, ehe die Solidarität der Menschheit auf eine möglicherweise sehr harte Probe gestellt wird.

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