Kommentar

Zukunft steht auf dem Spiel

Thomas Spang über den G7-Gipfel und US-Präsident Trump

Die angekündigte vorzeitige Abreise Donald Trumps vom G7-Gipfel in Kanada erweist sich nicht nur als schlechter Stil. Sie hat große Symbolkraft: Der „America First“-Präsident zieht sich damit demonstrativ aus der westlichen Werte-Gemeinschaft zurück. Statt gemeinsam mit den Verbündeten die – auf Regeln und Zusammenarbeit begründete – multilaterale Nachkriegsordnung hochzuhalten, setzt er auf das Recht des Stärkeren. Den freien Handel opfert Trump auf dem Altar des Protektionismus. Amerikas Freunde macht er zu Gegnern, während er die erklärten Gegner freiheitlicher Demokratien hofiert.

Dass der Präsident der ehemaligen Führungsmacht des Westens alle Prinzipien über Bord wirft und fordert, Russland wieder in die Runde der wichtigsten Industriestaaten aufzunehmen, zeigt, wes Geistes Kind Trump ist. Willig macht er sich zum Sprachrohr Wladimir Putins, der mit dem gewaltsamen Anschluss der Krim als Erster in Europa die Spielregeln verletzte, die seit dem Zweiten Weltkrieg bestanden.

Die übrigen sechs G7-Staaten tun gut daran, Trump in die Schranken zu weisen. Seine Politik ist explizit gegen die Interessen des Westens gerichtet. Jede Nachgiebigkeit gegen den Bully im Weißen Haus – vom Handel über Iran bis zum Klima – zöge noch mehr Willkür nach sich. Standfestigkeit ist gefragt. Denn spätestens seit diesem Gipfel gilt ohne Frage: Die Zukunft des Westens steht auf dem Spiel.

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