Kommentar

Zum Vandalismus in Mannheim: Anstand ade!

Mit den Beschädigungen am Kreuzweg Seckenheim/Rheinau ist nach den Zerstörungen im Luisenpark innerhalb kürzester Zeit zum zweiten Mal ein öffentlicher Ort in Mannheim Opfer von ausgedehntem Vandalismus geworden. Auch wenn der materielle Schaden im Luisenpark weit höher liegt, so hat das Geschehen am Kreuzweg doch eine andere, eine beunruhigendere Qualität: Hier haben die Täter bewusst religiöse Symbole und Darstellungen heimgesucht.

Zerstört wurde eine Anlage, in die Ehrenamtliche viel Herzblut, Zeit und Geld gesteckt haben. Doch dies festzustellen, um da-durch von Zerstörungen abhalten zu können, ist reine Illusion. Je mehr Mühe und Herzblut in eine Sache investiert werden, desto größer die Befriedigung der Täter, sie zu zerstören. So funktioniert nun mal deren „Denke“.

Was ist uns noch heilig?

Der Vorgang zeigt, was wir an anderen Stellen auch erleben: wie viel Aggression in manchen Leuten steckt. Neu ist aber, dass dabei nun offenbar alle Schranken des Anstandes fallen: Dass Sanitäter und Feuerwehrleute im Einsatz angegriffen werden, ist die eine Spielart. Dass religiöse Symbole von Vandalismus nicht verschont werden, eine andere.

Doch spätestens hier muss die Frage einsetzen, warum das so ist. Warum ist manchen Menschen im wahrsten Wortsinne nichts mehr heilig? Und da sind wir schnell beim schwindenden Respekt vor religiösen, konkret: christlichen Symbolen in unserer Gesellschaft generell.

Ob Gothic-Partys auf Friedhöfen oder Medienleute, die im gebührenfinanzierten Fernsehen über Christus am Kreuz feixen: „Zweitausend Jahre Rumhängen ist ja auch kein Vorbild für die Jugend“ – christliche Riten und Symbole werden heutzutage oftmals in einer Weise behandelt, die, wären andere Weltreligionen betroffen, einen Sturm der Entrüstung entfachen würde.

Mancher mag sagen: Dreht der da nicht ein zu großes Rad? Einen zu weiten Bogen von Leuten, die vielleicht nur mit zuviel Wodka im Hirn Randale machten, bis zur Gesellschaftskritik? Ganz und gar nicht! Denn fest steht: Anstand, Akzeptanz von Grenzen, schwindet. Im Großen wie auch im Kleinen, vor Ort am Kreuzweg.

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