Kommentar

Zum Wohle der Bürger

Steffen Mack über das Verhältnis der Krankenhäuser

Eine gemeinsame Pressekonferenz aller Mannheimer Krankenhäuser – daran können sich selbst medizinhistorisch Bewandertste nicht erinnern. Selbst beim Ausbruch der Pest in der Stadt im Jahre 1666 gab es das nicht (was allerdings vor allem daran lag, dass damals weder Krankenhäuser noch Presse im heutigen Sinne existierten).

Nun war der Anlass vergleichsweise banal. Die Kliniken setzen eine Landesverordnung um und erlauben fortan wieder Besuche. Zwar nur stark eingeschränkt, aber immerhin eine Erleichterung für Patienten. Vermutlich sind zuletzt einige mit Beschwerden auch Krankenhäusern ferngeblieben, weil sie ohne Besuch Angst vorm Vereinsamen hatten.

Symbolisch ist der gemeinsame Auftritt der Kliniken indes ein wichtiges Zeichen. Zusammen mit dem städtischen Gesundheitsamt ziehen sie derzeit fest an einem Strang. Das war nicht immer so, vor nicht allzu langer Zeit galt das Verhältnis als frostig. Schon vor Ausbruch der Pandemie hat es sich deutlich gebessert. Jetzt wäre es zum Wohle der Bürger, wenn der Schulterschluss die Krise überdauert. Eine Kooperation macht nicht nur medizinisch Sinn, sie könnte die Häuser auch organisatorisch entlasten. Und finanziell.

Nachdem die Barmherzigen Brüder Trier sowohl das Theresien- als auch das Diakonissenkrankenhaus übernommen haben, wäre ein Einstieg beim Klinikum zwar kartellrechtlich kaum möglich. Aber wie Oberbürgermeister Peter Kurz kürzlich im „MM“-Interview sagte: Denkverbote gibt es da nicht.

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