Kommentar

Zurück zu den Grundlagen

Alexander Müller zur Nachwuchsarbeit im deutschen Fußball

Im Frühsommer 2017 funkelte die deutsche Fußballzukunft noch rosarot. Die U 21 hatte gerade die Europameisterschaft gewonnen und weckte die Hoffnung auf eine neue 2009er-Generation – damals war der Stern von Manuel Neuer, Mats Hummels oder Sami Khedira mit dem EM-Titel bei der U 21 aufgegangen. In Russland sicherte sich fast parallel eine Perspektivmannschaft des DFB ohne die meisten Stammkräfte unter Anleitung von Bundestrainer Joachim Löw den Confed Cup. Die Titelverteidigung bei der WM 2018 schien ein greifbares Ziel, das Reservoir an Talenten schier unerschöpflich.

Anderthalb Jahr danach sind wir wesentlich schlauer. Die WM geriet zum ausgewachsenen Fiasko, die Bundesliga verliert immer mehr den Anschluss an die europäische Spitze – und beim dringend notwendigen Umbruch nach dem Russland-Desaster fahndet Löw nur mäßig erfolgreich nach auf höchstem Niveau tauglichen Talenten.

Die alte Floskel, dass im Erfolg die größten Fehler gemacht werden, trifft auf die Nachwuchsarbeit im deutschen Fußball zu. U-21-Trainer Stefan Kuntz hat Recht, wenn er kritisiert, dass die unerlässlichen Grundlagen des Spiels zuletzt sträflich vernachlässigt wurden. Alle wollen schönen Fußball sehen, aber ohne das, was früher gerne als „deutsche Tugenden“ bezeichnet wurde, geht es eben auch nicht. Bis zur Heim-EM 2024 ist indes noch genügend Zeit, diese Fehlentwicklung zu korrigieren.