Kommentar

Zweifelhafte Übermacht

Archivartikel

Thorsten Hof zur Dominanz des Team Sky bei der Tour

Auch wenn Tour-Sieger Geraint Thomas beim Zeitfahren als Hommage an die französischen Gastgeber mit einer blau-weiß-rot lackierten Rennmaschine an den Start ging – in Frankreich und auch bei vielen Radsport-Fans wird das Team Sky deshalb kaum neue Freunde gewonnen haben. Zu dominant hat die britische Equipe mit ihrer Ansammlung von Ausnahmefahrern und dem dahinterstehenden Etat von gigantischen 30 Millionen Euro auch in diesem Jahr wieder die die Tour beherrscht. Und selbst wenn der umstrittene Titelverteidiger Christopher Froome schwächelt, hat Sky mit einem Leutnant wie Geraint Thomas das nächste Ass im Ärmel und in Gestalt des 21-jährigen Kolumbianers Ergan Bernal schon für die Zukunft gesorgt.

Diese roboterartige Übermacht, verknüpft mit den zahlreichen Sky-Affären und Ungereimtheiten wie die lausige Lösung der Farce um Froomes Salbutamol-Werte, trägt nicht dazu bei, die Sympathiewerte der Equipe um Mastermind David Brailsford zu erhöhen. Der war bereits der Architekt hinter der britischen Bahnrad-Dominanz, aus deren Ära es nach Bradley Wiggins nun auch Brailsfords walisischer Landsmann Thomas auf den Tour-Thron geschafft hat.

Natürlich lässt sich mit jeder Menge Geld, der damit verbundenen Personalpolitik, einer zentralistisch geprägten Trainingsgruppe und einer Leistungsdiagnostik, die sich an den neuesten Entwicklungen der Sportphysiologie orientiert, ein Vorsprung herausfahren, den Mannschaften mit weit weniger finanziellen Mitteln kaum ausgleichen können. Aber wer wie das Team Sky solch eine Übermacht produziert und trotz aller Ankündigungen nicht immer mit offenen Karten spielt, muss auch damit leben, dass weiterhin Zweifel an der Rechtschaffenheit der Briten bestehen.

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