Kultur

Kunst Mannheimer Ten Gallery zeigt Werke von Andrea Klein und Ralf Müller / Fotos dokumentieren schroffe Kontraste

8500 Kilometer lange Tour durch die USA

Archivartikel

Kühl, klar, menschenleer: Auf den quadratischen Fotografien von Andrea Klein und Ralf Müller (alias greytoneduo) ist sehr viel von dem leeren Land der sogenannten Flyover States zwischen den großen Städten an der Ost- und Westküste der USA zu sehen. Das sind arme Staaten (die man nur vom Überfliegen kennt), in denen die Moderne samt Wohlstand nie angekommen zu sein scheint. Viele Menschen haben hier Donald Trump gewählt. Das Paar legte bei der Fahrt durch acht Staaten ungefähr 8500 Kilometer auf Landstraßen und Schotterpisten zurück, Start- und Zielpunkt war jeweils Chicago. Auch die Motelzimmer auf ihrer Reise hielten die beiden fest, oft nicht besonders schön, dafür aber sehr skurril etwa durch seltsam geformte Handtüchertiere auf den Betten.

Klein und Müller kommen ursprünglich von der Mittelformatfotografie, arbeiteten lange Zeit analog und entwickelten ihre Aufnahmen selbst. Daher rührt auch die Liebe zum quadratischen Format, das die 1966 und 1967 geborenen Fotografen verbindet und das sie in ihrer Serie „One way“ festhalten. Symbolisch wählten sie das Motiv der Einbahnstraße samt Stoppschild aus, als Sinnbild für den verordneten Stillstand in den USA. Dazu gehört auch das Bild eines formatfüllendenden Ladenfensters, in dem kleine verrostete und verstaubte Ölkännchen stehen, Talkumblechdosen oder gammelige Fläschchen. Die Zeit ist stehen geblieben, auch an den Tankstellen, die aber noch Cola verkaufen.

Zeichen der Armut

Der staubige Stillstand, ohne jeden Menschen, aber immer begleitet von seinen Erzeugnissen, die aber aus dem letzten, dem frühen 20. Jahrhundert stammen. Und immer wieder, wie überall auf der Welt, die Kunststoffstapelstühle, die ein untrügliches Zeichen für arme, ja prekäre Heimat sind.