Kultur

Show Packendes Konzert und beeindruckende visuelle Effekten / Komponist Ramin Djawadi führt durch den Abend und dirigiert das Folkwang-Kammerorchester Essen

Abenteuer mit Filmmusik von „Game of Thrones“

Es sind die Urkonflikte dieser Welt, die die Menschen faszinieren – und das nicht nur, weil sie sich fortwährend wiederholen, sondern wenn ihre Geschichte so dargeboten wird wie an diesem Abend in der Frankfurter Festhalle.

Dramatische Verklammerungen erstrecken sich über die ersten sieben Staffeln der US-Kultserie – und auch „Game of Thrones“-Komponist Ramin Djawadi kennt sich mit langen Spannungsbögen aus, wie er am Dirigentenpult vor dem Essener Folkwang-Kammerorchester beweist. In 140 wechselvollen Minuten zelebriert er eine expressive Klangreise in das fiktive mittelalterliche Westeros.

Die Idee des angepriesenen „Konzerterlebnisses“ ist strategisch klug: Die Fans des Serienformats sollen ebenso gebunden werden wie all jene, die sich von der Musik überzeugen lassen – und im besten Fall zu Anhängern des HBO-Erfolgsformates werden sollen. In den USA und Kanada ist diese Mission bereits bestens geglückt, nun war eine fast ausverkaufte Festhalle an der Reihe. Um erste Begeisterungsstürme ließ sich das Publikum nicht lange bitten.

Ungewöhnliche Instrumente

Das hat zum einen entscheidend damit zu tun, dass Djawadi der Tournee als künstlerischer Kopf und Originalkomponist das Prädikat der Einzigartigkeit verpasst, um das Programm nicht zuletzt persönlich und in fließendem Deutsch zu moderieren. Zum anderen sind es die Musiker, die das Konzept instrumental tragen. Auf imposante Aufbauten und mehrere Sonderbühnen, die die geteilte Welt auf der US-Tour noch optisch repräsentierten, hat man in Frankfurt verzichtet. Die orchestralen Möglichkeiten werden gedehnt durch die orientalische Ney, das Hackbrett und Perkussionsinstrumente von der Djembé bis zur Conga, die wirkungsvoll mit Streichern und Bläsern kontrastieren. Der Sound in der Festhalle ist zwar derart dampfig abgemischt, dass speziell die prallen Tutti oft wie ein Klangnebel unter der Kuppel hängen bleiben. Dieser Mangel ist aber der Technik und nicht den Musikern zuzuschreiben, die vom Kölner Gospelchor „Spirit of Change“ auch vokal prächtig geleitet werden.

Djawadi und die Seinen sind bei der musikalischen Dramaturgie zwar trefflich darum bemüht, sich nicht nur auf die opulenten Schlachtszenen zu verlassen. Doch werden die fragilen, emotionalen Momente, die mit Orgelpfeifen und Querflöten zärtlich ausgeformt werden, oft durch die martialische Macht der Kriegs-Suiten überrannt.

Was das visuell durchaus imponierende Zusammenspiel aus bewegten Bildern und Orchester nicht schmälern soll, die von epischer Landschaft bis hin zur huldvollen Salbungen reichen und damit Vielfalt schaffen. Zwar zeigen Daenerys Drachenflug und Eurons Schwertkampf exemplarisch, dass das Vorhaben, die Musik ihre eigene, unabhängige Sprache sprechen zu lassen, an der Macht des Bildes zerbricht – am Ende steht aber dennoch ein Konzertabend, der das cineastisch-akustische Live-Erlebnis in Deutschland etabliert. Bemerkenswert.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/kultur

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