Kultur

Abenteuerliche Ausflüge

Archivartikel

Der einstige Entdecker von Piano-Genius Keith Jarrett bleibt sich treu: Der inzwischen 82-jährige Saxofonist Charles Lloyd präsentiert auf seinem neuen Live-Album „8: Kindred Spirits“ wieder einmal einen jungen, vor Ideen nur so sprühenden Tastenmagier. Gerald Clayton lässt mit irrlichternden Soli selbst in Lloyds hochkarätig besetztem Ensemble aufhorchen. Immerhin wirken da mit Gitarrist Julian Lage, Bassist Reuben Rogers und Schlagzeuger Eric Harland einige der besten Jazz-Instrumentalisten der mittleren Generation mit. Und der Bandchef selbst brilliert mit hymnischen Sturmläufen, deren enorme Schnellkraft angesichts seines Alters verblüffend wirkt. Seinem Saxofon entlockt er fliehende, flirrende Phrasenfolgen, die in ihrer Körperlosigkeit geradezu vergeistigt klingen. Während seine Bandkollegen die spirituellen Himmelfahrten mit bisweilen muskulöser Kraft rhythmisch verankern, treibt der Mann am Klavier die Musik mit harmonischer Kühnheit und melodischem Wagemut in ungeahnte, entlegene Grenzregionen. Das Zuhören wird zum Abenteuer.

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