Kultur

Schlager Sängerin Mary Roos im Mannheimer Rosengarten

Abschied voller Klang und Leben

Archivartikel

Sie gilt als die Grande Dame des deutschen Schlagers, steht seit 60 Jahren auf der Bühne, landete mit „Nur die Liebe lässt uns leben“ 1972 auf dem dritten Platz des Grand Prix Eurovision de la Chanson; sie hat 30 Alben und über 300 Singles veröffentlicht. Man könnte diese Aufzählung ausladend fortsetzen oder aber jemand das Wort überlassen, der Leben und Karriere der Mary Roos deutlich pointierter zusammenzufassen vermag: „Diese Frau ist eine Granate“, sagt Kollegin Pe Werner über die 70-Jährige, die sie eben mit auf die Bühne des sehr gut gefüllten Mannheimer Rosengartens gebeten hat, um dort eine schöne gemeinsame Version von „Unbemannt“ zu singen – ein Lied, das Werner für Roos geschrieben hatte.

Glänzend bei Stimme

Es wird an diesem von einer exzellenten neunköpfigen Band begleiteten Abend auf Roos’ „Abenteuer Unvernunft“-Abschiedstour ein weiteres Duett geben, allerdings ein virtuelles: Mit dem auf Video eingespielten Mark Forster, vergangenes Jahr Gastgeber beim TV-Tauschkonzert „Sing meinen Song“, an dem auch Roos teilgenommen hatte, stimmt sie „Nur die Liebe lässt uns leben“ an. Ansonsten richtet sich das Scheinwerferlicht ungeteilt auf die Schlager-Ikone, die ihrem Publikum eine rund zweistündige Zeitsprung-Reise zu den Liedern beschert, die sie von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart begleitet haben.

Roos zeigt sich voller Energie und Leben (was umso erfreulicher ist, da sie kurz zuvor ein Konzert krankheitsbedingt hatte absagen müssen), charmant und glänzend bei Stimme. Teils werden die schillernden Streiflichter ihrer Karriere auch in Medleyform dargereicht, wie etwa bei „Liebeskummer lohnt sich nicht“, „Schuld war nur der Bossa Nova“, „Aufrecht geh’n“, der deutschen „My Way“-Version „So leb’ dein Leben“ der Fall – oder auch bei Roos’ Single „Arizona Man“, mit der sie 1970 ihren Karriere-Durchbruch feierte. „Das war jetzt meine erste, meine einzige und meine letzte Solo-Tour“, sagt die Sängerin schließlich, um sich bei ihren Besuchern „für diese wunderbaren Jahre, die Sie auch mir geschenkt haben, diese Treue über viele Jahrzehnte“ zu bedanken. Zurück schallt: stürmischer Beifall im Stehen.