Kultur

Kunst Neue Skulptur von Anselm Kiefer im Hof des Salzburger Regierungssitzes / Ehrenzeichen für Unternehmer Reinhold Würth

Adlerschwingen im Chiemseehof

Archivartikel

Sie zieht nun alle Blicke im Chiemseehof auf sich: die Skulptur „Die Sprache der Vögel“, ein knapp drei Meter hohes Flügelpaar aus Bronze, das einen Stapel Bücher wie einen Schatz bewacht. Das Werk von Anselm Kiefer, einem der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler weltweit, ist im nun autofreien Hof des Regierungssitzes des Landes Salzburg enthüllt worden. Die Skulptur ist eine Leihgabe der Sammlung Würth.

Es war die Idee von Landeshauptmann Wilfried Haslauer, einen neuen Blickpunkt im Chiemseehof zu schaffen. Diese konnte in Zusammenarbeit mit der Salzburg Foundation und ihrem Präsidenten Karl Gollegger sowie dem künstlerischen Leiter Walter Smerling und dank der Unterstützung durch Reinhold Würth realisiert werden. Landeshauptmann Haslauer überreicht ihm für sein großes Engagement in Salzburg am Abend das Ehrenzeichen des Landes.

Internationale Spitzenkunst

„Dieses beeindruckende Werk mit seiner starken Symbolik, Intellektualität und Vielschichtigkeit schafft auch Querverbindungen zur Politik. Demokratie braucht Bildung und Bildung eröffnet andere Perspektiven und Weitsicht. In diesem Sinne möge diese Skulptur auch die Salzburger Landespolitik weiter beflügeln“, so Landeshauptmann Wilfried Haslauer.

„Anselm Kiefer betreibt gedankliche Erforschungsprozesse. Sein Werk zeichnet sich aus durch eine Vielfalt an materieller und geistiger Substanz“, skizzierte Walter Smerling, künstlerischer Leiter der Salzburg Foundation, das Besondere am Œuvre des Künstlers. Und Reinhold Würth betonte: „Ich bin ein großer Verehrer von Anselm Kiefer. Seiner Kunst bewegt mich eigentlich jeden Tag, denn seine Werke strahlen eine ungeheure Kraft aus.“

Landeshauptmann Haslauer habe ihn in Paris besucht und gesagt, er wolle ein Kunstwerk statt Autos im Chiemseehof, so der Künstler selber zur Entstehung. Das Werk ist dann auch in der Seine-Metropole entstanden und in Berlin gegossen worden. Kiefer hat rund zwölf Monate daran gearbeitet. „Ich denke vertikal. Ich sehe alle Schichten. Ich erzähle Geschichten, um zu zeigen, was hinter der Geschichte ist“, so Anselm Kiefer, der sich mit seinem neuen Werk einem Phantom nähert: dem Alchimisten Fulcanelli, der in den 1920er Jahren in Frankreich gewirkt haben soll. Dieser erwähnt in seinen Schriften eine geheime „Sprache der Vögel“, die den Weg zur Enthüllung der letzten Wahrheit – der Erfahrung absoluter Erleuchtung – markiert. Mit seiner Bronzeskulptur für den Chiemseehof bezieht sich Kiefer auf eine Titelseite eines Fulcanelli-Traktats, auf der ein Rabe auf einem Totenschädel thront.

Für Kiefer sind die Bücher ein Symbol des Wissens, der Überlieferung und der Weisheit.

Tonnenschwere Schwingen

Knapp drei Meter hoch, 1,80 Meter breit und mehrere tausend Kilogramm schwer – die Kiefer-Skulptur wird schon allein durch ihre Dimensionen automatisch zum Blickpunkt für alle, die den Chiemseehof besuchen.

Für den Transport von Berlin nach Salzburg war ein Spezialtransport notwendig. Gut verhüllt ist das Kunstwerk dort angekommen und mit einem Kran auf den Konglomerat-Sockel vor dem Landtagstrakt gehievt worden. „Dieser wiegt rund 7000 Kilo.

„Die Sprache der Vögel“ bereichert den von der Salzburg Foundation gegründeten „Walk of Modern Art“, der Werke von international renommierten Künstlern in der Salzburger Altstadt umfasst. Sie werden alle leihweise von der Sammlung Würth, einer der größten und bedeutendsten Privatsammlungen von Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in Deutschland, zur Verfügung gestellt. Reinhold Würth, Unternehmer, Sammlungsinitiator und Förderer von Wissenschaft und Kunst, ist mit dem Ehrenzeichen des Landes Salzburg ausgezeichnet worden. Dies als „Dank für die Verbundenheit mit dem Kulturland Salzburg und für einen großzügigen Mäzen einer ganzen Reihe von namhaften heimischen Kulturinstitutionen“, so Landeshauptmann Haslauer.