Kultur

Jazz Das Duo Sebastian Sternal & Claudius Valk in Mannheim

Alles da, was sich spielen lässt

Archivartikel

Ein prächtiger Flügel anstelle eines einfachen Klaviers: Das ist wohl die wichtigste Verbesserung, die sich Mannheims IG Jazz mit dem neuen Veranstaltungsort Ella & Louis für ihre Konzertreihe eingehandelt hat. Den Anfang hier machte das Duo von Pianist Sebastian Sternal und Saxofonist Claudius Valk, und ihnen kommen beste Bedingungen auf der Bühne sehr zustatten.

Nicht von ungefähr haben die Zwei, beide heute als universitäre Jazz-Dozenten in Mainz tätig, vor vier Jahren den Neuen Deutschen Jazzpreis in Mannheim gewonnen (gleichauf seinerzeit mit der Gruppe Tria Lingvo). Inspiriert geführte musikalische Zwiegespräche, basierend auf einer gründlichen Kenntnis der Techniken wie auch der Geschichte ihrer jeweiligen Instrumente im Jazz; hoch kultiviert also, weil umfassend gebildet, und zugleich doch ganz persönlich ausgestaltet: Das war der Eindruck damals, und er hat sich jetzt bei diesem Konzert eindrucksvoll bestätigt.

Die Feinheiten zum Beispiel, die Sebastian Sternal dem Flügel entlockt, wenn er sich mit zartem Anschlag in „suchenden“ Rubato-Passagen vorsichtig tastend vorwärts bewegt. In Fahrt gekommen, wirken seine furios in die Tasten gehämmerten Einzelnoten-Linien dann noch umso härter. Dass er in pianistischem Überschwang zuweilen nicht unbedingt nötige Verzierungen einbaut, Arpeggios vom Bass bis in die höchsten Höhen jagt, sei ihm verziehen.

Sorgsam eingefügt

Ähnlich vielseitig handhabt Claudius Valk das Tenor- und das Sopransaxofon. Da ist wirklich alles drin, was überhaupt darauf gespielt werden kann: Ganz bedächtig gehauchte Töne und schnelle Läufe, nahezu tonlose Luft- oder bloße Klappengeräusche ebenso wie auch durchdringende Schreilaute. Keinesfalls aber hingeworfen als chaotisches Puzzle, sondern sorgsam eingefügt in ein Repertoire, das von Blues- und Balladenthemen mit viel Spielraum für spontane Abweichungen vom Vorgegebenen bis zu gänzlich atonal Freiem reicht.

Luft nach oben bestand allerdings noch beim eher mäßigen Besuch dieses Konzertes. Korrigiert werden kann das bereits am kommenden Dienstag, wenn die IG Jazz im Ella & Louis das Trio Symmethree von Bassist Henning Sieverts präsentiert.