Kultur

Klassik Staatsphilharmonie mit Mahlers „Lied von der Erde“

Alles Erdenhafte überwunden

In Arnold Schönbergs und Rainer Riehns Bearbeitung von Gustav Mahlers Sinfoniekantate „Das Lied von der Erde“ ist kein Instrument doppelt besetzt. Insofern sitzen im Kammerorchester der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz ausnahmslos Solisten. Eine Form, die ihre Originalität behauptet und sich zugleich als Corona-konforme Variante eignet.

Solistische und Tutti-Einsätze finden sich sensibel ausbalanciert. Yannis Pouspourikas, der den erkrankten – inzwischen aber wieder genesenen – Chefdirigenten Michael Francis vertritt, leitet das Orchester mit behutsamer, klanglicher Details sensibel ausdeutender Gestik. In der Ludwigshafener Friedenskirche wechselt die Staatsphilharmonie zwischen druckvoller Symphonik und barocker Feinarbeit.

Bildhafte Szenen

Häufig tritt die Oboe als melodieführendes Instrument auf, das Flöte, Klarinette und Fagott, aber auch die erste Geige in versonnene Gespräche verwickelt. Das zarte Sirren der Triangel mischt sich kommentierend ein, scharfkantig fahren die Streicher dazwischen und knattert das Schlagwerk in die bildhafte Szene. Das übermütige Zwitschern der Piccolo-Flöte kontrastiert mit dem unheilvollen Gongschlag des Tamtam. Absteigende Seufzersekunden lassen sich als Ausdruck einer betrübten Seele deuten, während Glockenspiel und Celesta funkelnde Leuchtpunkte in den Raum tupfen. Wie wenig die Instrumentierung hier lediglich als illustratives Moment gedacht ist, wird in dieser Aufführung deutlich.

Marlene Lichtenberg und Rolf Romei verleihen den Gedichten aus uralter chinesischer Tradition mit innigem Empfinden Ausdruck. Auf hohem stimmlichen Niveau und mit gestalterischer Finesse werden die zartesten Gefühlsnuancen abgebildet. Ohne metallische Schärfe, dafür mit baritonaler Färbung schwingt sich Rolf Romeis Tenor energisch auf. Der nach innen gekehrte, vor dem Unsagbaren zurückweichende, dennoch zu lebhaften Aufhellungen fähige Alt Marlene Lichtenbergs überwindet am Ende alle Erdenhaftigkeit. Ein ewiger Trost. Auch in Zeiten wie dieser. 

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