Kultur

Comedy Rüdiger Hoffmann probiert im Capitol viel Neues

„Alles mega“ oder was?

Archivartikel

Der einsame Stuhl auf der Bühne blieb leer, denn Rüdiger Hoffmann stand lieber. Dafür setzte sich der studierte Musiklehrer gelegentlich ans Klavier und gönnte dem erheiterten Publikum im Mannheimer Capitol eine Verschnaufpause. Allerdings nicht lange, und zum Schluss war sogar Mitsingen gefordert: „Es wird alles mega“ – jedenfalls für den Wahlbonner aus Paderborn, den scheinbar nichts aus seiner stoischen Ruhe bringen kann.

Ob es die Urlaubs-, Sex- und Nahrungswünsche seiner Bekannten sind oder die krankhaften Mutationen seines pubertierenden Sohnes, Rüdiger Hoffmann wird mit allem fertig. Wenn es sein muss, auch mit Hilfe der Kettensäge, wie beim Pärchenurlaub in der abgelegenen kanadischen Waldhütte.

Scharfer Beobachter

In seinem neuen Programm „Alles mega“ ist der Kabarettist, der in TV-Comedy-Shows zu den Stammgästen zählt, „richtig gut drauf“. Vor allem probiert er, seiner Bekannten zuliebe, viel Neues aus, begleitet sie zur Auffrischung ihres Sexlebens in Swinger- Fetisch- oder Sadomaso-Clubs und hilft ihr zum Abnehmen beim Heil- und Intervallfasten oder der Kohlsuppendiät. Dabei denkt er auch an die Umwelt, schließlich lebt er total nachhaltig. Nebenbei engagiert er sich für Familien in Wohnungsnot – das Glanzlicht dieses Abends, in dem er sich als Vermieter eines Souterrain-Lofts mit raffiniertem Vermarktungskonzept outet.

Rüdiger Hoffmann ist ein scharfer Beobachter des Alltäglichen, erzählt – oder besser, er öffnet Bilder –davon in seinem verbalen Schneckentempo, seiner vielsagenden Mimik und seinem trockenen Humor, ohne Kritik zu üben, ohne unter die Gürtellinie zu gehen – „Nein, das macht er nicht“, beteuert er; dafür kann er umwerfend unästhetisch werden, eben unterhaltsam.

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