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Alligatoah beim Mannheimer Carstival: Das Rap-Krokodil beißt zu

Archivartikel

Mannheim.Schon die Einfahrt des Gentlemans im deutschen Rap könnte standesgemäßer kaum daher kommen. Denn statt bei seinem CARStival-Gastspiel auf dem Mannheimer Maimarktgelände einfach schnöde auf die Bühne zu marschieren, lässt sich Alligatoah in seinem gelben Konzertfrack auf einem Transport-Caddy stilecht zum Salut durch die Reihen fahren. Rund 850 Autos im großkulturellen Autokino der Region goutieren solch majestätische Gesten mit jubelndem Understatement. Denn nicht erst seit gestern wissen Alligatoahs Anhänger, dass Lukas Strobel, wie sich der Rapper bürgerlich nennt, als Meister des melodischen Schalks versteht – und sich auch an diesem sommerlichen Abend in bester satirischer Manier verkauft.

Da hilft es freilich nicht nur, dass seine Band nach einem standesgemäßen Auftakt („Wissen schützt vor Dummheit nicht“) konsequent in Bademänteln aufmarschiert. Auch die dramaturgischen Kniffe hat der 30-Jährige aus Neuenwalde im Lauf seiner Karriere Zug um Zug perfektioniert. Dynamische Nummern wie „Alli-Alligatoah“, zu denen die weit aus dem Auto gelehnte Massen enthusiastisch mitgrölen, verzwirnt der Protagonist des Abends clever mit sozialem Brennstoff wie „Trostpreis“ – und schafft so genug Raum für all den geredeten Schabernack zwischen Corona-Bashing und Umweltsündertum. Das schallende Lachen von tausenden Zuhörern hört man da bei all dem trennenden Blech immer wieder deutlich durch die Reihen ziehen, um die Ironie zu genießen, die so vielleicht nur bei Alligatoah zum Erfolg führt.

Denn auf der einen Seite formen die Harmonien zwischen Gitarre, Flöte und Synthesizer immer wieder wie fast selbstverständlich Klanggeflechte von imponierender Brillanz, wie sie blitzblank in hunderte Radios strömen. Auf der anderen Seite fehlt dem Humor nie der gesellschaftskritische Biss („Lass liegen“), der bei Lukas Strobel jedoch so unangestrengt klar und frei daherkommt, dass selbst Moral zum Genuss werden kann. Oder mit anderen Worten: So wie in diesen 90 Minuten muss es sich anfühlen, wenn das Krokodil der deutschen Rap-Szene zubeißt und dabei keinen Schmerz, sondern wirksame Euphorie hinterlässt. Auf dass sie in jedem einzelnen Herzen haften bleibe.

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