Kultur

Pop Rapper Oddisee berichtet von seiner Lebensreise

Alltag in Rapmusik verpackt

Den Namen, den sich Amir Mohamed el Khalifa für seine Rap-Karriere gegeben hat, wählte er weise. Beflügelt von Homers Epos entschied er sich für den Künstlernamen Oddisee und beschloss, inspiriert vom East-Coast-Rap seiner Jugendidole wirklich guten Hip-Hop zu machen.

Zusammen mit DJ Unknown bereiste er nun als einzige Deutschland-Station auf einer sehr kleinen und feinen Europatour die Alte Feuerwache. Von der Muse geküsst, philosophiert der aus Washington DC stammende Wortkünstler und Produzent mit butterweich fließenden Zeilen über seine persönlichen Abenteuer. Im Fluss ist nicht nur die Sprache des hochgewachsenen Manns im schlichten T-Shirt, sein ganzer Körper ist im Rhythmus, der Arm gibt die Richtung vor, die Hand klopft den Beat am Mikro ab, der Kopf wiegt sich im Takt.

Vielseitige Erzählweise

Das überträgt sich schnell aufs in beachtlicher Zahl erschienene Publikum – in der Regel ein untrügliches Zeichen für einen guten Abend. Dazu trägt umso mehr die vielseitige Erzählweise des Alltagspoeten bei. Auch wenn der 33-Jährige politische Stellungnahmen absetzt, so widmet sich sein „Conscious Rap“ – eine Bezeichnung, die man kaum übersetzen kann, und die auf Deutsch so viel wie „bewusster Sprechgesang“ bedeutet – vor allem dem Zwischenmenschlichen.

Verpackt in samplelastige, vor Soul strotzende Beats widmet er sich gesellschaftskritischen Aspekten, etwa den widersprüchlichen Ambitionen einer Gesellschaft („Like Really“) oder der persönlichen Verantwortung wie etwa in dem Song „Strength & Weakness“.

Was in Deutschland in diesen Wochen passiere, lasse ihn als Sohn eines libanesischen Mannes nicht unberührt („Lifting Shadows“). Bei allen scharfzüngigen Beobachtungen bleibt das Positive doch nicht auf der Strecke. So erzählt er etwa vom Glück des Privilegs, mit dem, was man liebt, sein Geld verdienen zu dürfen. Oder den Freuden, die seine 14 Monate alte und emsig tapsende Tochter bringt.

Gedenken an Mac Miller

Er gesteht, dass er selbst ungern Hip-Hop-Konzerte besucht, weil ihm, dem detailverliebten Produzenten, der schlechte Sound und die mäßige Performance einiger Genre-Partner zuwider sind. Zwar ist an diesem Abend der Klang auch nicht wirklich rund – doch ansonsten gibt es für den ambitionierten Künstler keinen Grund zur Sorge. Mit einem durchaus ironischen Remix seines eigenen Songs „Want Something Done“ im derzeit trendigen Trap-Stil beweist er zudem noch Humor, bevor er sich verabschiedet – nicht ohne dem vor einigen Tagen im Alter von 26 Jahren verstorbenen Kollegen Mac Miller zu gedenken. afs