Kultur

Mozartfest Würzburg Ebonit Saxophone Quartett überzeugte trotz der „Konkurrenz“

Amselmännchen mischten mit

Archivartikel

Dieser Beitrag hätte die erste Konzertrezension über den Kontergesang zweier Amselmännchen von den Dächern im Innenhof des Kreuzgangs im Exerzitienhaus Himmelspforten in Würzburg werden können, wenn nicht gleichzeitig das Ebonit Saxophone Quartett aus Amsterdam beim Mozartfest Würzburg aufgetreten wäre. Der ausdauernde, die Töne der Umgebung aufgreifende Gesang der Amseln mit unendlich viele Strophenvarianten muss viel Kraft gekostet haben.

Das erste Lob gilt also den mindestens zwei Singvögeln, die in einen ausdauernden Wettstreit mit vier Saxophonen traten. Auch Mozarts Sextett „Ein Musikalischer Spaß“ war, so wird vermutet, ein angemessenes musikalisches Dankeschön für einen zuvor verstorbenen Star, einem Haustier des Komponisten, das Takte nachpfeifen konnte.

Von den 300 Zuhörern im ausverkauften Innenhof gelang es deshalb nicht allen, sich voll auf die musikalischen Darbietungen des Quartetts zu konzentrieren; immer wieder galten bewundernde Blicke dem musikalisch so brillanten Singvogel in unseren Breiten.

Ganz der Tradition des Streichquartetts verpflichtet, fühlt sich das Ebonit Saxophone Quartet, das seit 2011 zum achten Mal in Würzburg auftrat.

Weil das Saxophon erst 1840 erfunden wurde, gibt es ganz wenige Originalwerke für diese Besetzung. Zum Auftakt wurde eine Bearbeitung von Mozarts Streichquartett Nr.4 C-Dur KV 157 in einer ausgewogenen Balance dargeboten, welche die Leichtigkeit eines Streichquartetts nicht vermissen ließ.

„Le Tombeau de Couperin“ ist ursprünglich eine sechssätzige Klaviersuite, die Maurice Ravel zur Erinnerung an François Couperin schuf, der neben Rameau der größte Komponist des französischen Barocks war. Als Anregung diente Ravel die Forlane, ein barocker Tanzsatz aus Couperins 4. Concert royal für Flöte und Basso continuo.

Auch das Streichquartett Nr.35 f-Moll von Franz Joseph Haydn war in einer gelungen Bearbeitung zu hören, wobei die schwermütige Stimmung des Werks nicht so ganz zum herrlich-warmen Sommerabend im Hof passen wollte. Statt wie damals üblich an dritter steht das Menuett an zweiter Stelle. Mit viel Akkuratesse gelingt es den jungen Saxophonisten, den elegant-graziösen Charakter des Menuetts herauszuschälen.

Wieder an die ernste Stimmung des Anfangssatzes kehrt das Finale mit zwei kontrastreichen Themen einer Fuge zurück. Im Jahr 1919, in dem Ravel eine Orchesterfassung des Tombeau komponierte, wurde der polnische Komponist Mieczyslaw Weinberg (1919 - 1996) geboren, dessen zwei Miniaturen Aria für Streichquartett op. 9 und das Scherzo aus dem Streichquartett Nr.5 op. 27 das Saxophonquartett neu arrangierte.

Zwei sehr gut vom aufmerksamen Publikum angenommene Beispiele für die Kunst, mit dem Saxophon eine dem Streichquintett ähnliche Klangpalette zu zaubern, die jedem Instrument vom Sopran- bis zum Baritonsaxophon mit fein gezeichneten Linien seine eigenständige Klanglichkeit belässt. ferö