Kultur

Tanz Im Pfalzbau sieht Helena Waldmann einen „Eindringling“

Angriff oder Verteidigung

Gleichzeitig mit einem barocken musikalischen Auftakt springen drei Tänzer ins plötzliche Licht der Bühne. Im abrupten Verstummen der Musik fallen sie zu Boden. Wie einen Angriff aus dem Nichts platziert die Tanzregisseurin Helena Waldmann das erste Szenenbild aus ihrer neuen Produktion „Der Eindringling – eine Autopsie“. Und wie immer ist die choreographische Arbeit von Waldmann motiviert von ihrem Blick auf gesellschaftliche und politische Verhältnisse. Sie geht dabei aber meistens weiter und versucht die Themen ihrer Arbeiten auf einen allgemeineren Nenner zu bringen.

2014 etwa hat sie im Theater im Pfalzbau mit „Made in Bangladesh“ die Ausbeutung der Näherinnen mit Hilfe des indischen Kathak-Tanzes eindrucksvoll veranschaulicht. Drei Jahre später zeigt sie dem Publikum in Ludwigshafen mit „Gute Pässe schlechte Pässe“ Grenzerfahrungen, in dem sie die Kunst von Akrobaten mit der von zeitgenössischen Tänzern auf einander prallen lässt.

Öffnung ins Unendliche

Inzwischen haben sich in „Der Eindringling“ die Tänzer neu formiert. Als einer der Akteure mit der Hand winkt und „Hallo“ ruft, ist das wieder ein Auftakt in eine neue Situation. Denn jetzt wird gekämpft. Erst folgt der Angriff auf den „Eindringling“, dann seine Verteidigung. Schlag führt zu Gegenschlag, eine Verrenkung folgt auf die nächste. Immer mehr rüsten die Kämpfer auf mit Schutzmitteln aus dem Kampfsport und polstern sich gegen die Schläge.

Waldmann jedoch belässt es nicht beim Kampf allein. Vielmehr wandelt sie unaufhörlich die Sicht auf den „Eindringling“, in dem sie berührende Bilder mit starken Sounds kombiniert. Bald ringt ein Tänzer mit einem vielarmigen Krakenwesen; bald liegt er nackt unter ihm begraben wie eine organische Masse, in die ein weiterer mit den Händen eintaucht. Dazu kommentiert ein Vierter mit lautmalerischem Gesang und öffnet die Bilder und die Sicht auf das Eindringende ins Unendliche.