Kultur

Toscano-Bilder Rege Debatte um Antisemitismus

„Anschlag auf Geschichte“

Nach dem rechtsterroristischen Anschlag auf eine Synagoge in Halle stehen die Attacken auf die Bilder von Holocaust-Überlebenden bei Luigi Toscanos Ausstellung „Gegen das Vergessen“ im Mai 2019 in Wien noch einmal ganz anders im Fokus. Dass der Mannheimer Fotograf darüber am Donnerstagabend bei einer hochspannend besetzten Podiumsdiskussion im Heidelberger Karlstorbahnhof zum Thema „Erinnerung und Solidarität“ sprach, passt also bestens in die Zeit. Der Abend bestach durch eindrucksvolle Debattenbeiträge.

Dokumentarfilm zur Ausstellung

Jan Wysocki, Fachreferent für Antisemitismus im Staatsministerium Baden-Württemberg und der Heidelberger Romani Rose betonten, wie wichtig privates Engagement wie Toscanos internationales Ausstellungsprojekt ist. Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma nannte den Vorfall von Wien einen „Angriff auf die Geschichte“. Rose betonte eindrücklich, dass es bei Erinnerungskultur nicht um die Vergangenheit oder Schuldübertragung auf jüngere Generation gehe, sondern um die Zukunft unseres demokratischen Rechtsstaats: „Wenn sie sich vor Juden oder Sinti und Roma stellen, dann tun sie das für ihre Kinder und Enkelkinder.“ Peter Schwarz, der Toscanos Schau nach Wien geholt hatte, wertet „sichtbare Solidarität“ nach der Attacke als Erfolg. Dafür steht die Wienerin Asma Aiad von der Muslimischen Jugend Österreich, die nächtliche Mahnwachen organisiert hatte und sich noch heute über die „unübersehbare Dynamik“ der Hilfsbereitschaft freut. Das alles gab Toscano Hoffnung für das Schlusswort: „Unsere Demokratie wird gewinnen.“ Dazu soll auch der Film „Gegen das Vergessen“ beitragen, der am Montag in der Berliner Urania Premiere feiert. jpk

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