Kultur

Literatur Simon Strauß verlangt den Lesern seines in großen Teilen pathetischen Romans „Römische Tage“ einiges ab

Anstrengende italienische Bildungsreise

Archivartikel

Als Goethe Italien bereiste, war er so begierig darauf, die Ewige Stadt zu sehen, dass er auf dem Weg dorthin Florenz einfach links liegenließ. „Ja, ich bin endlich in dieser Hauptstadt der Welt angelangt!“, wird der Weimarer Dichterfürst drei Jahrzehnte später in seiner „Italienischen Reise“ über die Ankunft mit der Kutsche am 1. November 1786 schreiben.

„Zweihunderteinunddreißig Jahre und acht Monate nach Goethe“ erreicht der Ich-Erzähler in „Römische Tage“, dem zweiten Roman von Simon Strauß, die Stadt per Flieger. Mit dem Hinweis auf den berühmtesten Rom-Aufenthalt eines Deutschen wird der Horizont geöffnet, den es jetzt zu bespielen gilt: die Reise als akademische Erfahrung. Wie schon im Erstling „Sieben Nächte“ trägt der Erzähler auch hier autobiografische Züge. Im Sommer 2018 geht er für mehrere Wochen nach Rom – entflieht der Gegenwart, er will „das Alte neu denken“, während die Touristen „schwitzen, gaffen, grölen“. Auch das Herz geht ihm schwer, wohl die Entzündung eines Muskels oder einer Sehne. Die Krankheit als Metapher. In Rom erhofft er Genesung.

Von seiner Bleibe gegenüber dem Wohnhaus Goethes macht er sich in dem szenisch angeordneten Text auf zu diversen Treffen: mal zum Empfang der deutschen Botschaft, mal in die Hertziana-Bibliothek oder die Römische Kurie. Es sind meist durchlauchte Kreise deutscher Expats, durch die der Erzähler streift. Und nichtssagend sind sie dazu.

Vor zwei Jahren hatte „Sieben Nächte“, das Debüt des 1988 geborenen Sohnes von Büchner-Preisträger Botho Strauß, für einige Diskussion gesorgt. Manch Feuilletonist vertrat die Meinung, der Erstling des Theater-Redakteurs der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bediene mit dem Ruf auf Rückbesinnung vergangener Tugenden neurechte Denkweisen. Das neue Buch wird wohl keinen solchen Staub aufwirbeln. Das große Manko an dem Roman ist denn auch, dass der Erzähler seine Bildung wie eine Monstranz vor sich herträgt. „Burckhardt stellt er über Ranke und sagt das, als wäre so etwas heute die größtmögliche Provokation.“ Man muss sich schon in der klassischen Historiografie auskennen, um mithalten zu können.

Sprachliche Überformungen

Insgesamt krankt der pathetische 140-Seiten-Roman besonders an den sprachlichen Überformungen irgendwo zwischen manieristischer Unerträglichkeit und antiquiertem Sehnsuchtsschwulst. „Rom stehe für das alte Europa, für Nachahmungseifer, Verehrungslust, Geschichtsphilosophie. Für Melancholie und Demut auch.“