Kultur

Wunder der Prärie „Forever Apocalyptic“ im Mannheimer Parkhaus N2 aufgeführt

Apostel des Untergangs

Archivartikel

„So endet die Welt“, schließt Mona Louisa-Melinka Hempel ein weiteres Kapitel ihrer Offenbarungen zur Apokalypse. Sie beschreibt darin die mannigfaltigen Möglichkeiten des menschlichen und planetaren Untergangs: Als Folge globaler Erwärmung etwa, durch die Kollision mit einem Kometen oder vom Verglühen der Sonne mit ausgelöscht. In diesen Worten ruht auch Warnung und Mahnung, und Co-Performer Calendal besiegelt Hempels Ausführungen jeweils mit einem gravitätisch dröhnenden Posaunen-, Pardon: Tuba-Stoß.

Metallisch-perkussive Klänge

„Forever Apocalyptic“ (etwa: Für immer apokalyptisch) heißt die Performance, mit der die Gruppe „Die apokalyptischen Tänzer*innen“ an zwei Abenden beim Wunder der Prärie-Festival des Mannheimer Künstlerhauses Zeitraumexit gastiert. Die vergangenes Jahr uraufgeführte Koproduktion mit Theater Rampe und der Stadtbibliothek Stuttgart, in der sich das Trio der Aufgabe verschrieben hat, „Endzeitszenarien und Apokalypse-Fantasien mit den Mitteln der darstellenden Kunst zu erforschen“, findet an einem Ort statt, dessen eigene Endlichkeit bereits verbrieft ist: dem Parkhaus im Quadrat N2, das, so ist es beschlossen (vom Gemeinderat), in absehbarer Zukunft einem Neubau für die Stadtbibliothek weichen soll.

Dort drinnen wandert und windet sich die seltsame Prozession aus Performern (Hempel, Calendal und Jasmin Schädler) und einigen Dutzend Zuschauern in knapp 80, nicht völlig ohne Längen vergehenden, aber durchaus beschwingt endzeitlichen und spielästhetisch anregenden Minuten dem Untergang entgegen. Zumindest jedenfalls vom Untergeschoss aus immer weiter nach oben. Eingangs schälen sich die drei unter einer ausladenden Plane hervor, in zottelig-flusige Ganzkörperkostüme gehüllt, die ihnen die Anmutung schwarz-weiß panaschierter Yetis verleihen. Bald darauf führen sie zu metallisch-perkussiven Klängen (Komposition: Sara Glojnaric) einen Tanz auf, der nonchalant zwischen Ballett-Mimesis und Rumpelstilzchen-Reigen changiert. Sounds und Musik dringen aus zwei Lautsprechern, die in Einkaufswagen mitgeführt werden.

Ende mit Sternenhimmel

Später wird ein Video an die Decke und an einen aufgetürmten Planen-Berg geworden, das zwei Flusenkostümträger beim Essen aus Konservendosen zeigt (Bohnen in Tomatensoße und Ananas?), und man fragt sich, ob da ein geselliger zeitgenössischen Prepper-Abend zu beobachten ist oder der Blick in eine trostlose postapokalyptische Zukunft geworfen wird. Dann ist das Dach des Parkhauses erreicht, über dem sich das endlose, Sternen gesprenkelten Schwarz des Nachthimmels ausbreitet. So endet die Performance.

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