Kultur

Literatur „Zwei Welten: Crash“ von Kristina Tiedemann

Atemlose Szenen im Quadrat

Archivartikel

Im Roman „Zwei Welten: Crash“ von Kristina Tiedemann entkommt die Hauptfigur knapp einer Vergewaltigung: Das legt den Grundstein für eine rasante und komplexe Handlung: Ein Unbekannter hat sie zwar gerettet – entpuppt sich aber als zwielichtig. Der in Mannheim spielende Roman verfügt zeitweise über Reportage-Elemente: Detailliert beschreibt er Abläufe im Rettungswagen, in dem Protagonistin Karin arbeitet. Die Handlung rund um sie erhält Schwung durch die Verortung im Sanitäter-Umfeld. Dass ihr Vater bei der Polizei arbeitet, treibt die Verkettung der Umstände weiter an.

Auch sorgen Zufälle für Bewegung: Denn die Protagonistin ist verliebt. Sie und ihr Retter und Objekt der Begierde, Bandenmitglied Aaron, scheinen Magnete an sich zu haben. Ob Buchhandlung am Paradeplatz oder Café in Uninähe: Sie treffen immer wieder aufeinander. Aber bald ist die Handlung blutgetränkt: Ging es vorher um geglückte Reanimationen, brechen bald Tod, Hass und Verzweiflung über alle herein. Karin wirkt paralysiert. Schuld ist, wie der Titel schon sagt, das Aufeinanderprallen zweier Welten. Das sorgt für ein Kontrastmotiv, welches sich durch das gesamte Buch zieht.

Klassische Rollenverteilung

Die Rollenverteilung ist klassisch: stark gegen schwach. Brachial gegen sanft. Mächtig gegen machtlos. Und wenn Gefahr droht, ist der Beschützer nicht weit. Weiblichkeit ist in diesem Roman meist definiert durch an Zierlichkeit und an Schwäche gebundene Attraktivität, Körperlichkeit steht im Fokus: „Wunderschön“ ist Protagonistin Karin, so dass man sie „beschützen“ müsse.

Die bedrohliche Handlung spielt vor Regionalkulisse. Durch die detaillierten Beschreibungen der Autorin wird die Umgebung plastisch, reale Orte sind nur leicht im Namen verfremdet. Man läuft quasi auf Gehweg oder Straße mit der Handlung mit. Vielleicht sorgt auch gerade deshalb der Roman mit seiner fiktionalen Handlung stellenweise doch für beklemmende Gefühle.

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