Kultur

Atticus über Liebe

Archivartikel

Atticus ist ein Dichter, der seine Texte auf Instagram publiziert und dort eine Million Follower hat. Jetzt sind seine Gedichte und Notizen in Buchform erschienen: „Love. Her. Wild“ erzählt von der Liebe in Zeiten der digitalen Moderne und schreckt vor keinem klebrigen Klischee zurück: blaues Meer und warmer Sand, blutrote Sonnenuntergänge, leuchtende Sterne am Firmament, wilde Tänze im Abendlicht. „Sie hatte nichts an / außer Mondlicht / und ich nichts / als ein Lächeln“, schreibt Atticus schmachtend. Einmal auch: „Wir / sind / nie / allein. / Wir sind / Wölfe. / Wir / heulen / alle / zum selben / Mond.“ Kitschiger geht´s nicht. Eigentlich kaum auszuhalten. Doch seine Fans überschütten Atticus mit Smileys und Herzchen, tätowieren seine Gedichte auf ihre Haut. Atticus ist eine Projektionsfläche für Wünsche und Utopien: Das unterstreicht er noch, indem er öffentlich nur mit einer silbernen Maske auftritt und niemand sein wahres Gesicht und niemand seine wahren Gedanken und Gefühle kennt. Alles vielleicht nur ein lyrischer Fake? 

Atticus: "Gedichte & Notizen"; Aus dem Englisch; von Kilian Unger.; dtv, München.; 243 Seiten, 16 Euro.