Kultur

Jazz Der US-amerikanische Pianist Brad Mehldau veröffentlicht neues Album „Finding Gabriel“

Auf der Suche nach Klarheit

Archivartikel

Die Bibel hat die Geschichte des Abendlandes beeinflusst wie kaum ein anderes Buch. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, wenn ein so renommierter Jazzpianist wie Brad Mehldau ankündigt, dass sein neuestes Werk genau von ihr inspiriert wurde. Und tatsächlich weckt „Finding Gabriel“, vor allem durch den häufigen Einsatz von an einen Chor erinnernden Gesang, Assoziationen zu einer Messe.

Die Titel greifen vor allem Motive aus dem Alten Testament auf und verbinden sie zu einem Konzeptalbum, in dem der Künstler im Paradies beginnt, herabsteigt ins alltägliche Chaos und schließlich Klarheit in der Hinwendung zu Gott findet. Dieser Aufbau ermöglicht es Mehldau, auch Stellung zu aktuellen Ereignissen zu nehmen. Das unverständliche Chaos, das im Werk behandelt wird, ist eindeutig verbunden mit der US-Präsidentschaft Donald Trumps und den damit einhergehenden Veränderungen in der amerikanischen Gesellschaft.

Trotz dieser höchst interessanten thematischen Ausrichtung überzeugt das Album leider nicht auf ganzer Linie. Zu oft wirken die Einflüsse aus Pop und Progressive Rock unpassend und das Album dadurch ein wenig unausgegoren. Insbesondere die Stücke „Born to Trouble“ und „St. Mark is Howling in the City of Night“ stechen hier nicht gerade positiv heraus. Der häufige Einsatz von Synthesizern ist auch nicht immer glücklich, da sie bisweilen etwas kitschig daherkommen. Nichtsdestotrotz findet sich viel Hörenswertes auf dem Album. Besonders die Gastmusiker leisten oftmals hervorragende Arbeit. Ambrose Akinmusires Trompetensolo auf „The Prophet is a Fool“ ist hier hervorzuheben. Jenes Stück sowie der Song „Finding Gabriel“ bestechen auch durch unterhaltsame Stimmungswechsel und die harmonische Einbindung von Spoken Word Elementen. So gelingt es, den thematischen Hintergrund des Werks klarer in den Mittelpunkt zu stellen. Klassischere Stücke wie „O Ephraim“ betonen ebenfalls die Stärken Mehldaus. Auch wenn nicht jedes Experiment auf dem Album geglückt ist, handelt es sich also dennoch um ein sehr solides Stück Musik.