Kultur

Musiktheater Cordula Däuper inszeniert Donizettis „Don Pasquale“ am Nationaltheater in einer etwas skurrilen Reihenhaussiedlung

Auf der Suche nach Liebe

Archivartikel

„Es ist wie nach Hause kommen“, meint Regisseurin Cordula Däuper kurz vor der Premiere am kommenden Freitag von Gaetano Donizettis Oper „Don Pasquale“ aus dem Jahre 1843. Sie genieße die sechs Vorbereitungswochen am Nationaltheater Mannheim sehr, zumal sie wiederum auf ihr vertrautes Team mit Sylvia Rieger (Bühnenbild), Sophie du Vinage (Kostüme) und Mark Schachtsiek (Dramaturgie) zurückgreifen kann. Cordula Däupers Arbeiten stehen für gewitzte Szenerien, farbenprächtige Bilder und Kostüme, die mit den musikalischen Besonderheiten der jeweiligen Werke zusammenwirken.

Nach Rossinis „Aschenputtel“, Prokofjews „Liebe zu den drei Orangen oder Rossinis „Tancredi“, um nur einige ihrer Regiearbeiten zu nennen, will sie nun das nächste Zeugnis ihrer einfallsreichen Ideenwerkstatt abgeben. Schöpfertum fällt freilich nicht vom Himmel. Zuerst hat die in Wiesbaden aufgewachsene und nun in Berlin lebende Regisseurin am Libretto gefeilt, nach erst noch unsichtbaren Wegen gefahndet, um aus der trivialen Komödie eine spannende, ansprechende Story herauszufiltern.

Einfallsreiche Ideenwerksatt

„Zunächst kamen mir die Figuren nicht gerade sympathisch vor“, sagt Däuper. Hier der ältliche Junggeselle Don Pasquale, der sich noch einmal auf Freiers Füße begibt. Dort der etwas ungeschickte Jüngling Ernesto, der seine schöne aber mittellose Braut nicht aus den Händen geben will. Dann der intrigante Freund Malatesta, der die Fäden zieht, und schließlich die gerissene Norina, die den Alten an der Nase herumführt und damit ihre Beziehung zu Ernesto rettet.

Die absurd-komische Grundsituation hat Däuper naturgemäß nicht geändert. Doch den Spin hat sie in eine andere Richtung gelenkt, die Biografien der vier Hauptcharaktere weiterentwickelt. „Für mich handeln alle aus Liebe und sind auf der Suche nach ihrem eigenen kleinen Glück“, umreißt sie ihr Grundkonzept.

Humorvoller Blick

Der „neue“ Don Pasquale habe eigentlich keine Lust auf Veränderung seiner Lebensumstände, und auch Leibarzt Malatesta sorge sich in erster Linie um das Seelenheil seines Patienten. Norina ist eine selbstbewusste junge Frau, die aber durchaus reflektiert auftritt und mitunter auch Mitleid für den aus der Bahn geworfenen Pasquale empfindet.

Däuper formt aus dem heute banal erscheinenden Opernstoff behutsam ein feingliedriges, durchaus kontrastreiches Kammerspiel. Kurzerhand verlegt sie es von der Mitte des 19. Jahrhunderts in einen zeitgenössischen Kontext: Aufgebaut wird eine Reihenhaussiedlung der 60er Jahre, erscheinen wird ein Mikrokosmos mit jeder Menge menschlicher Charakterstudien.

Die Akteure verwandelt sie in leicht überzeichnete schrullige Figuren, wobei sich das Team von dem visuellen Humor des legendären französischen Filmemachers Jacques Tati hat inspirieren lassen.

Cordula Däuper: „Pasquale trägt eine gestrickte Weste und einen altgedienten Anzug, Norina wirkt in dieser Welt wie ein farbenfroher bunter Vogel.“ Wichtig ist ihr, die Intimität der Figuren herauszuarbeiten, die Lichttechnik soll immer wieder deutliche Schlaglichter und Konturen in einzelne der schwarz-weiß-grauen Reihenhäuser bringen. Das Handlungstableau so aufgestellt, zieht sie mit vielen liebevollen Details die Fäden, feilt an den Schnittstellen zwischen Tragik und Komik, nimmt den Zuschauer in seine eigene kleine Nachbarschaftswelt mit. „Vielleicht mag sich der eine oder andere nicht eingestehen, dass er sich ja selbst noch einmal verlieben mag.“ Dem Publikum möchte die Regisseurin jedenfalls einen Weg in die Handlung öffnen, so wie sie selbst als Jugendliche übers Schauspiel den Weg ins klassische Musiktheater gefunden hat.

Unterhaltende Oper

Däupers oberste Prämisse seit damals: Gerade in der Oper gut zu unterhalten. Und was ist mit dem wichtigsten Grundstoff einer Oper, der Musik? Gilt „Don Pasquale“ mit seinem blühenden Belcanto-Stil doch als der Schaffens-Höhepunkt von Gaetano Donizetti. Mit dem musikalischen Leiter Janis Liepins, dem ersten Kapellmeister am Nationaltheater, hat Däuper früh Einvernehmen erzielt: Große Eingriffe werden nicht vorgenommen, wichtig ist, dass sich Donizettis temporeiche Tonsprache entfalten kann und mit der augenzwinkernd erzählten Handlung in vollem Einklang steht.

Gerade um die Hauptfiguren in ihrer Eigenwilligkeit fein herauszuarbeiten, hat Cordula Däuper intensiv mit den Solisten gearbeitet. Jede Rolle ist doppelt besetzt, auch wenn von A- und B-Premiere die Rede ist, soll es keine Qualitätsunterschiede geben.

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