Kultur

Wunder der Prärie Elfte Ausgabe des internationalen Festivals im Mannheimer Künstlerhaus Zeitraumexit eröffnet

Aus Auto werden zwei Fahrräder

Archivartikel

Verkeilt, verformt, halb voneinander verschlungen sind die hölzernen, geradezu grotesk (über)dimensionierten Giganten der Installation „Crushed Cayenne“. Sie zeigt zwei SUVs, deren Frontalzusammenstoß eine rohe kinetische Energie abbildet, die sich in Gestalt Fontänen-artiger Splitter in den Raum ergießt. Die von den Künstlern Martin Kaltwasser und Folke Köbberling aus Fundholz geschaffene und 2008 zum ersten Mal gezeigte Skulptur verschmilzt Dynamik mit in der Zeit eingefrorenem Stillstand. Damit kommt der Installation an diesem Abend im Mannheimer Künstlerhaus Zeitraumexit, wo sie zur Eröffnung des Wunder-der-Prärie-Festivals vorgestellt wird, ein besonderer Symbolcharakter zu. „Jetzt, da das Zeitalter der Automobilität zu Ende geht, blicken wir an zehn Festivaltagen zurück und voraus“, heißt es im Programmvorwort der elften und dem Titelthema „Autonomie“ gewidmeten Ausgabe des internationalen Festivals für Performancekunst und Vernetzung, das bis zum 29. September im Festivalzentrum im Mannheimer Jungbusch und an anderen Spiel- und Aktionsorten in der Stadt ausgerichtet wird. Wunder der Prärie sei, erklärt Peter Kurz, Mannheimer Oberbürgermeister und Schirmherr der Veranstaltung, ein Festival „ganz am Puls der Zeit, an den Fragen, die uns als Städte bewegen, die uns als Menschen bewegen, und dafür über das Mittel der künstlerischen Auseinandersetzung versucht, Anstöße und Antworten zu geben.“

„Wunder der Prärie steht als Festival der zeitgenössischen performativen Kunst für das einzigartige Konzept, bildende und darstellende Kunst, Tanz, Theater und Performance zu verbinden und mit radikalen Ideen Diskussionen nicht nur in der Kunstwelt, sondern auch in der Gesellschaft anzustoßen“, führt Grünen-Landtagsabgeordneter Manfred Kern in seinem Grußwort aus.

Mit Schweißgerät und Flex

„Autonomie ist eine Illusion“, erklärt Zeitraumexit-Leiter und Kurator Jan-Philipp Possmann. „Und wir glauben, es gibt kein stärkeres Bild für die Illusion der Autonomie als das Auto“ – das einem hier in vielen Gestalten, Gedanken und kreativen Prozessen begegnet: So arbeitet Martin Kaltwasser an diesem Tag in der nahegelegenen Halle einer ehemaligen Kfz-Werkstatt mit Schweißgerät und Flex daran, aus einem demontierten Auto zwei Fahrräder entstehen zu lassen; anderntags findet sein „Cars into bicycles“-Workshop auf dem Jungbusch-Quartierplatz statt.

Im Festivalzentrum selbst werden unterdessen mit Drei-Millimeter-Draht, Zange und Schraubstock in der „Wire Cars“-Werkstatt des US-amerikanischen Künstlers Chido Johnson kleine, kunstvoll gestaltete Automobile kreiert. Und im Kubus-Studio hält der Filmkritiker und Kurator Amin Farzanefar einen Vortrag zum Thema „On the Road to (no)where?“ und fragt darin: „Passen 8000 Jahre Kulturgeschichte in einen Wagen?“ Der Festival-Motor ist gestartet – man darf auf die weitere Fahrt gespannt sein.

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