Kultur

Mozartfest c-Moll-Messe Mozarts im Würzburger Kiliansdom aufgeführt

Ausgewogenheit zwischen Emotionalität und Perfektion

Eine tiefgreifende, locker und durchsichtig ausgeführte Wiedergabe erfuhr im Kiliansdom Wolfgang Amadeus Mozarts „Große Messe c-Moll“ KV 427 in der Fassung des niederländischen Musikwissenschaftlers Clemens Kemme.

Als Fragment überliefert

Die Messe ist ursprünglich als Fragment überliefert. Das „Et incarnatus“ ist unfertig, der Rest des Credo fehlt, ebenso das „Agnus Dei“ und das „Dona nobis pacem“.

Zudem sind relativ früh Teile des Manuskripts verloren gegangen. Also haben sich mehrere Wissenschaftler darüber gemacht, das fragmentarisch vorhandene Werk zu vollenden.

Elegant schwingend

Der Chor des Bayerischen Rundfunks und die Akademie für Alte Musik Berlin wandten sich unter der Leitung von Howard Arman akribisch bis ins Detail, elegant schwingend, heftig im Jubelchor, unerhört duftig in den leisen Graden diesem wunderbaren Werk zu, angesiedelt zwischen der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach und der Missa solemnis von Ludwig van Beethoven. Hellwach, präzise und mit bombastischer Verve brachte Howard Arman die großen Chorteile herüber, rhythmisch exakt und sicher die mächtig fugierten Abschnitte.

Man vernahm eine Ausgewogenheit zwischen Emotionalität und Perfektion. Die Gesangsolisten Christina Landshamer, Sopran, Anke Vondung, Alt (oder doch eher Mezzosopran), Steve Davislim, Tenor, und Tobias Berndt, Bass, bildeten im Wechsel mit dem Chor ein homogenes Ensemble, wobei den Damen die Hauptaufgabe zukam, die Männer im Trio und letztlich im Quartett lediglich kürzere Beiträge einbringen durften.

Überzeugende Solisten

Die Solistinnen überzeugten durch flüssig gemeisterte Koloraturen. Mozart hatte solchen Sängerinnen eine „flotte Gurgel“ bescheinigt. In der höheren Stimmlage schien ihr Gesang etwas schrill, wobei deren agiles Temperament diesen Eindruck etwas entschuldigte.

Nicht zum ersten Mal wurde Mozarts c-Moll-Messe beim Würzburger Mozartfest aufgeführt. Die Erinnerung reicht zurück bis in die Mitte der fünfziger Jahre, als Eugen Jochum mit dem Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks in der Stephanskirche diese Messe dargeboten hatte.

Ein Mitschnitt jenes Konzertes ist auf CD erhältlich, unglaublich schön im Klang und Ausdruck, was insbesondere auf das Konto der Solisten Irmgard Seefried, Annelies Kupper, Lorenz Fehenberger und Hans Braun zurückgeht, von denen jeder mit einer ergreifend wohltuenden Stimme ausgestattet ist.

In Anlehnung von Mozarts ausführlichen Bach-Studien hob der Dirigent im Würzburger Kiliansdom die barocken Elemente polyphoner Fugenkunst genauso zwingend hervor wie die spannende Interpretation der Credo-Texte.

Voller Dynamik

Die Virtuosität, Dynamik und Stimmenkultur des Rundfunkchors verscheuchte jede sentimental-romantisierende Mozart-Seligkeit. Betörend innig gestaltete die Sopranistin mit schlanker Stimme das „Et incarnatus“, umgeben von den herrlich intonierenden Soli der Flöte, der Oboe und des Fagotts, himmlisch schön in den sensibel eingesetzten dynamischen Schattierungen. Diese jungen Stimmen passten gut zum transparent musizierenden Orchesterklang.

Hohes Niveau

Eingangs hörte man die „Litaniae Lauretanae Es-Dur von Vater Leopold Mozart, komponiert für den Salzburger Dom und wiederholt dort bei Marienandachten aufgeführt. Sie sind ein festliches Werk, das musikalisch die Gottesmutter um ihre ver-mittelnde Fürsprache vor Gott anruft.

Oboen, Hörner, Posaunen verbinden sich mit den Streichern des Berliner Barockorchesters zu einem erhebend anrufenden Gesang. Der auffallend nur etwa bis zur Hälfte besetzte Dom erlebte ein geistliches Konzert von hohem Niveau.