Kultur

Literatur Jonas Lüscher und Timo Schuster im Bloch-Zentrum

Autor trifft Fotografen

Archivartikel

Das Schreiben eines Romans sei für ihn so etwas, wie das Zureiten eines wilden Tieres, sagt Jonas Lüscher. Dass der Autor bei seinem 2017 erschienen Werk „Kraft“ Herr über den Text wurde, bewies er jetzt bei der Lesung im Ludwigshafener Ernst-Bloch-Zentrum. „Es macht Sinn, dass ich hier bin“, bekannte Lüscher gleich zu Beginn der Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Autoren bei Bloch.“ Denn er sei beim Schreiben seines ersten, aber nie erschienenen Buches „über Bloch gestolpert“ und dies habe den Ausschlag für sein Philosophiestudium gegeben.

Themen von Ernst Bloch sind es auch, die in dem geistreichen und hintergründigen Roman auftauchen. Etwa dessen Beschäftigung mit der Technologie, die Lüscher in Abwandlung des Theodizeebegriffes Technodizeefrage nennt. Nichts weniger als der Aufgabe, wie das subjektive Leiden in der Welt zu erklären ist, wenn ein Gott einerseits allmächtig und andererseits gut sei, hat sich sein Protagonist Richard Kraft gewidmet. Und zwar vor dem Hintergrund des Fortschrittsglaubens und -Treibens, der sich besonders in der IT- und Hochtechnologie-Industrie des kalifornischen Silicon Valleys manifestiert. Dort will man die jahrtausendealte Frage bei einem wissenschaftlichen Quiz klären. In einem 18-minütigen Vortrag soll Rhetorikprofessor Kraft in Anlehnung an Gottfried Wilhelm Leibniz begründen, weshalb alles, was ist, gut ist und man es dennoch verbessern kann.

Magische Momente

Eine Beziehung zum Bloch-Zentrum hat auch der Fotograf Timo Schuster. Der gebürtige Ludwigshafener, dessen 1993 entstandene Bilder über die ehemalige Walzmühle noch bis zum 5. Juli zu sehen sind, gab beim Künstlergespräch einen Einblick in sein Schaffen. Das Fotografieren des Industriedenkmals sei für ihn eine Abfolge von magischen Momenten gewesen, berichtete Schuster, der heute nichts gegen Aufnahmen mit dem Handy hat. „Die Auflösung ist meist gut und man kann die Bilder ja noch nachbearbeiten.“