Kultur

Pop Wasserturm als Kulisse für vier Shows von Capitol-Solisten

Baden im Applaus

Schon als Kind fragte er sich, wie es da drinnen wohl aussieht. "Ich hatte die naive Vorstellung, es sei alles voller Wasser", so Sascha Krebs. Und Jeanette Friedrich wollte schon den Badeanzug anziehen, als sie von einem Auftritt im Mannheimer Wasserturm hörte. Aber nun sangen sie ganz ohne Badehose und Bikini, vier restlos ausverkaufte Shows an zwei Abenden hintereinander. Baden konnten sie dabei dennoch - in Applaus.

Zu Beginn des ersten Abends gehen fast alle Hände im Publikum hoch. Wer, so fragt Kulturnetz-Chef Peter Baltruschat als Veranstalter, denn zum ersten Mal im Wasserturm sei. Friedhof, Metzgerei, Operationssaal - an vielen Stellen machte die Kulturnetz-Reihe "wOrtwechsel - Kultur an ungewöhnlichen Orten" zwar schon Station. Doch der Wasserturm, vom Eigentümer MVV Energie AG nur sehr selten zugänglich gemacht, entfaltet stets eine ganz besondere Anziehungskraft. Dazu überrascht er mit einer ausgezeichneten Akustik.

Lieder rund ums Auto

Freilich ist es eng. Friedrich und Krebs können nicht nebeneinander singen, sondern sie stehen hintereinander. Krebs ersetzt den Tonmeister, steuert sich selbst aus. Und Gitarrist Matthias Klöpsch steht, trotz Höhenangst, auf der schmalen Treppe, die hinauf zum - längst leeren -Wasserbehälter führt.

Aber die beiden Capitol-Solisten bieten mit ihren wunderbaren Stimmen ein faszinierendes, abwechslungsreiches Programm mit teilsmitreißenden Titeln rund um Mobilität, Reise und Auto, liefern sich nebenbei noch einige witzige Dialoge. Dabei ist Krebs eher der pragmatische Protagonist, der die nervige Parkplatzsuche besingt. Sie hat indes null Verständnis für das männliche Samstagsritual der Wagenwäsche, träumt romantisch von der Ferne. Aber als es Jeanette Friedrich "Mit einem Taxi nach Paris" zieht, kontert Krebs trocken: "Kostet 988,70 Euro!" Bei "Theo, wir fahr'n nach Lodz" oder "Im Wagen vor mir" sing und klatscht das Publikum mit. Als sich Krebs dann mit den Worten "Ein großartiger Abend" verabschiedet, stimmen ihm alle gerne zu.