Kultur

Ausstellung Das Haus der Geschichte in Bonn widmet sich dem deutschen Blick auf die Briten

Beatles, Bond und der Brexit

Da liegt es also, das Original-Tigerfell aus „Dinner for One“, über das Butler James so kunstvoll stolpern kann. In Großbritannien kennt den Sketch kein Mensch, in Deutschland gehört er so selbstverständlich zu Silvester wie Feuerwerk und Sekt. Das Haus der Geschichte hat das Tigerfell jetzt bei den Nachfahren des Schauspielers Freddie Frinton (1909-1968) aufgespürt, der den Butler vor 60 Jahren verkörperte. Es soll dort noch im Wohnzimmer gelegen haben. In Bonn wird es wie ein wertvolles Kunstwerk hinter Glas gezeigt – in der neuen Ausstellung „Very British – ein deutscher Blick“.

Insgesamt haben die Deutschen wohl ein sehr positives Bild vom Inselvolk. Es ist geprägt von Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen, von der Popkultur seit den Tagen der Beatles, von James Bond, Monty Python, Harry Potter und natürlich den Royals. „Das deutsche Interesse an Großbritannien ist weit größer als umgekehrt“, stellt Museumschef Hans Walter Hütter zu Recht fest.

Erinnerung an Zweiten Weltkrieg

Die Ausstellung versammelt hochkarätige Ausstellungsstücke. Der Ball des WM-Endspiels in Wembley von 1966 ist da – er darf allerdings nur zwei Wochen bleiben –, die Handtasche von Maggie Thatcher, das Bühnenkostüm von George Harrison und ein Abendkleid, das die Queen bei ihrem umjubelten Staatsbesuch 1965 in Deutschland trug. Es wurde dem Haus der Geschichte „mit ausdrücklicher persönlicher Zustimmung von Queen Elizabeth“ zur Verfügung gestellt. Überhaupt hätten alle britischen Institutionen vorbildlich kooperiert, hebt Hütter hervor.

Großen Raum bekommt das beiderseitige Verhältnis, das auf britischer Seite immer noch stark von der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg geprägt ist. Spitzen gegen die „Fritzen“ gehören bis heute zum britischen Alltag. Im Museum zu sehen ist ein Werbespot der Biermarke Carling: Im Urlaub besetzen Deutsche früh alle Liegen am Pool, doch ein cooler Brite ist noch schneller – er wirft sein Badetuch kunstvoll aus dem Fenster auf die beste Liege – und genehmigt sich ein Bier...

Zu sehen sind aber auch bewegende Zeugnisse der Versöhnung. Das beeindruckendste ist ein Messgewand, das sich 2017 der Bischof von Coventry anfertigen ließ. Coventry mit seiner Kathedrale wurde 1940 von deutschen Bombern zerstört. Der Chormantel zeigt aber nicht nur Bilder aus Coventry, sondern ebenso aus dem von britischen Bombern in Schutt und Asche gelegten Dresden.

Die Ausstellung hat Terminglück. Sie dauert bis 8. März 2020 – in diese Zeitspanne dürfte nach menschlichem Ermessen der Brexit fallen. Die Schau werde dann aktualisiert und umgebaut, kündigt Hütter an. Die Geschichte wird weitergeschrieben.