Kultur

Pop Brass-Rap-Kollektiv bringt die Feuerwache zum Kochen

Beats, Bläser und Hip-Hop

Wer bei Blasmusik an Trachten, Volkstümlichkeit und zünftige Melodien denkt, der wird bei einem Konzert von Moop Mama sein blechernes Wunder erleben. Die zehnköpfige Urban-Brass-Band verbindet groovenden Hip-Hop und satte Bläsersounds mit der Kunst des Geschichtenerzählens. Kurz: Sie machen Musik für Hirn, Herz und Hintern. Kaum erstaunlich also, dass schon vor Beginn des nahezu ausverkauften Konzerts in der Alten Feuerwache laute „Moop!“-Rufe das Münchner Kollektiv auf die Bühne fordern.

Denn kaum betreten, bringen die Musiker zu ihrem Opener „Wildnis“ die Halle wortwörtlich zum Beben. Gruppiert um Sänger und Texter Keno Langbein, sorgen sieben Bläser und zwei Trommler für ordentlich Zunder. Das ist neben mitreißend, tanzbar und klug vor allem eins: handgemacht.

Keine fertigen Beats, keine Samples, sondern die Kraft der Lunge fordert gut zwei Stunden das Publikum zum Tanzen heraus. Auch wenn der Frontmann etwas erkältet ist, tut das der guten Laune vor und auf der Bühne keinen Abbruch. Nicht zuletzt, da es für den in Oggersheim lebenden Posaunisten Peter Palmer so etwas wie ein Heimspiel ist.

Partymusik mit Haltung

Neben einer feinen Freestyle-Session werden Songs des im letzten Jahr erschienen Albums „Ich“ („Nüchtern“, „Kapuze“) genauso bejubelt wie alte Moop Mama-Klassiker („Alle Kinder“) oder das fast schon klubtaugliche „Prokrastination“.

Sicher liegt das an dem Können der einzelnen Musiker, an der Fähigkeit, aus zehn talentierten Köpfen einen so harmonisch wie nötig, so individuell wie möglich tönenden Klangkörper zu formen.Vielleicht aber auch an dem Hauch von Revolte, den die Blasmusik-Anarchos verströmen.

Bekannt geworden durch Guerilla-Konzerte im städtischen Raum, ist das Mega- inzwischen durch ein Mikrofon eingetauscht. Die Ideale der Band aber immer noch hoch. Die verbreiten sie jedoch nie mit erhobenem Zeigefinger, sondern stets mit einem Augenzwinkern („Molotow“). Und schaffen nebenbei etwas bemerkenswert Seltenes – Partymusik mit ziemlich eindeutiger politischer Haltung.

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