Kultur

Weltmusik Die Orientalische Musikakademie Mannheim feiert ihren zehnjährigen Geburtstag mit einem abwechslungsreichen Musikprogramm

Beeindruckende Werkschau in der neuen Heimat

Archivartikel

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Und wenn der Wille dazu sich mit zäher Tatkraft paart, die in kleinen Schritten das gerade Mögliche realisiert, dann kann scheinbar Unmögliches Wirklichkeit werden. In erstaunlich kurzer Zeit sogar: Gerade mal zehn Jahre sind vergangen, seitdem die Brüder Mehmet und Ali Ungan, in der Metropolregion Rhein-Neckar lebende türkische Syrer, den Entschluss fassten, im Verbund mit wenigen Gleichgesinnten, darunter auch Deutschen, der Musik ihrer Heimat hierzulande eine Heimstatt zu schaffen.

Ausstrahlung auf Popakademie

Und heute ist ihre private Gründung, die Orientalische Musikakademie in Mannheims Multi-Kulti-Stadtteil Jungbusch, zu einem blühenden, staatlich geförderten Begegnungs- und Bildungszentrum für diese Kulturen geworden. Mit Ausstrahlung auch auf die nahe gelegene Mannheimer Popakademie, die, einzigartig in Deutschland, die Ausbildung an orientalischen Musikinstrumenten inzwischen in den Lehrplan aufgenommen hat.

Die beeindruckende Vielfalt der Tätigkeit der Orietalischen Musikakademie Mannheim (OMM) spiegelt sich im Musikprogramm, das die Akademie aus Anlass des Jubiläums auf die Bühne bringt, unter freiem Himmel im engen, aber gemütlichen Hof ihres Hinterhof-Domizils in der Jungbuschstraße. Die „Buschtrommler“ etwa künden von der verdienstvollen Arbeit mit Jugendlichen des Viertels, um die sich sonst kaum jemand kümmern würde. Viele ganz junge Mädchen gehören auch zu der Frauen-Truppe, die sich, farbenfroh kostümiert und geschminkt, unter Anleitung von Dozentin Shany Mathew den südindischen Bharata-Natyam-Tanzfiguren widmet.

Und dann gibt’s die Musikgruppen, die an der OMM oder in ihrem Umkreis entstanden sind. Die erste von ihnen, bundesweit Aufsehen erregend bis hin zu einem Auftritt beim Jazzfest Berlin, fehlt leider: LebiDerya, das famose Oriental-Jazz-Quartett, hat sich mittlerweile aufgelöst. An Kreativität nicht nach steht den Vieren aber das Trio Divan um Heiko Duffner an der akustischen Gitarre und Kenan Tülek an der elektrisch abgenommenen Baglama-Langhalslaute, mit einem virtuosen Austausch filigraner Improvisationen, bei denen sich orientalische Tradition mit modernen westlichen Einflüssen mischt. Das Gleiche gilt für das Quartett Indrajala, in einer Spannweite, die bereits durch zwei ihrer Instrumente vorgezeichnet wird: Die indische Sitar trifft hier auf die elektrische Bassgitarre der Rockmusik.

Publikum lässt sich anstecken

Ganz traditionell dagegen musiziert das OMM Ensemble, bestehend aus der Gründergeneration der Akademie. Da ist durchaus Heimweh im Spiel, wenn die Brüder Ungan an verschiedenen Lauteninstrumenten, Muhittin Kemal Temel an der Kanun-Harfe und Serap Giritli als Sängerin türkische oder arabische Lieder anstimmen. Doch auch dies hat seine Berechtigung, und wenn Mehmet Ungan am Ende der Veranstaltung das bunt gemischte Publikum zum Mitklatschen und Mittanzen animiert, entsteht unwiderstehlich das Gefühl einer neuen, gemeinsamen Heimat auf deutschem Boden.