Kultur

Klassik Staatsphilharmonie im Pfalzbau Ludwigshafen

Beethoven mit einem Donnerknall

Am Ende ist es Beethoven, mit dem die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz ihrem Publikum im Ludwigshafener Pfalzbau die Visitenkarte überreicht. Da kommt zusammen, was zusammengehört – während das Orchester mit Henry Purcell zu Beginn ein wenig fremdelt. Zwar ist das federnde Pulsieren, die tänzerische Leichtigkeit in Purcells Suite zu „The Fairy Queen“ gut getroffen. Unter der Leitung von Michael Francis sind auch nuancierte Artikulationen und schnalzende Pointen zu vernehmen. Ihre Lebendigkeit lässt sich diese Musik aber wohl erst mit dem impulsiven Schliff und dem sprühenden Esprit eines auf historischen Instrumenten spielenden Barockorchesters entlocken.

Als Beispiel für eine zeitgenössische Adaption dieser Musik erklingt im ersten Philharmonischen Konzert des Orchesters in dieser Saison eine Hommage von Steven Stucky, dessen „Funeral Music for Queen Mary“ durchaus schonend mit dem traditionellen Vorbild umgeht. Der Verzicht auf Streicher zugunsten einer großen Bläserbesetzung und die Hinzunahme von Klavier, Harfe und Röhrenglocken modulieren das Klangbild freilich in modernere Gefilde. Gewisse tonale Abweichungen drohen die im Untergrund lauernde Kakophonie zu entfesseln.

Von Pathos befreit

Zur Trauermusik fügt sich der schleppende Kopfsatz von Beethovens vierter Symphonie harmonisch an. Abwartend und tastend wird das Adagio entwickelt, bevor das Orchester die trübe Stimmung wie in einem Donnerknall abschüttelt. Viel Biss zeigen die Streicher, die Bläser grundieren den heftigen Aufbruch mit gesanglicher, auch humoristischer Noblesse. Ein wunderbar miteinander verzahnter Orchesterklang, der seine Opulenz mit trockenen Gesten parodiert. Auch das Finale schnurrt, von Pathos befreit, rasant von der Rolle, wie um zu beweisen, dass der von Corona gebeutelte Jubilar noch lange nicht am Ende ist. In den gebieterischen Klang streuen die spielfreudigen Bläser ländliche Idyllensprengsel ein.

Und natürlich bekommt das Ganze einen heroischen Schwung, der indes wirkt, als sei er leicht aus der Hand geschüttelt. In den Applaus mischt sich johlende Begeisterung. Beethoven „On the rocks“ – der Jubilar hätte es mit einem grimmigen Lächeln quittiert. 

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