Kultur

Clingenburg Festspiele Vier Stücke mit der „Rocky Horror Show“ als Zugpferd stehen auf dem Spielplan 2019 / Neuer Intendant Wolfgang Hofmann

Begegnungen der unheimlichen Art

„Es gibt Reis Baby“, würde Helge Schneider frohlocken. Vielleicht kommen auch ein paar Besucher in Strapsen. Ob es 2019 im Publikum ein wenig „strange“ zugehen wird, wissen die Verantwortlichen der Clingenburg Festspiele nicht, dass das Geschehen auf der Bühne seltsam und abgefahren sein wird, dessen sind sich der neue Intendant Wolfgang Hofmann und das Organisationsteam gewiss. Denn nicht nur die Inszenierung des Musicals „Rocky Horror Show“ verspricht eine unheimliche Begegnung der dritten Art, auch bei den anderen Stücken „Shakespeare in Love“, „Tschick“ und „Das Sams“ gibt es ein Aufeinandertreffen mit Außenseitern oder Außerirdischen.

Die Stücke

„Man sucht bei Festspielen ja immer nach dem roten Faden, der die Stücke verbindet. Für die nächste Spielzeit beinhalten alle Stücke unheimliche Begegnungen der dritten Art“, gibt der neue Intendant Wolfgang Hofmann bei der Pressekonferenz im Klingenberger Rathaus zu Protokoll. „Bei der Rocky Horror Show liegt das ja auf der Hand, aber auch bei den anderen Stücken gibt es ungewöhnliche Aufeinandertreffen.“ Das Sams beispielsweise sei ein Wesen, das nicht von dieser Welt ist. Die „unheimlich gute“ Geschichte, von Paul Maar ist mittlerweile ein Klassiker der Kinder- und Jugendbuchliteratur. Obgleich Herr Taschenbier die eigenartige, laute und freche Kreatur nicht mag, haben sie doch viel Spaß miteinander.

„Auch bei Tschick sind die Außerirdischen in großer Zahl vorhanden“, stellt der neue Intendant fest. „Zusammen mit Tschick macht sich Maik Klingenberg mit dem Weltraumgefährt Lada auf eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz und wird am Ende nicht mehr derselbe sein wie zu Beginn der Reise.“ Auch das sei in allen Stücken ein Grundelement: Die Veränderung der Protagonisten durch die außergewöhnlichen Begegnungen. „Das unschuldige Paar Brad Majors und Janet Weiss wird durch die Nacht im Schloss und durch die Begegnung mit dem exzentrischen Wissenschaftler Dr. Frank’n’Furter und seiner schrillen Gesellschaft am nächsten Tag ein ganz anderes sein, eine andere Weltsicht haben.“

Am wenigsten bringt man „Shakespeare in Love“ mit diesem Grundtenor in Verbindung. Doch auch hier komme es zu einem ungewöhnlichen Aufeinandertreffen. Hofmann: „Die Schauspielerei war damals für Frauen tabu, und ausgerechnet da trifft der sich in einer Schaffenskrise befindliche Theaterautor Will Shakespeare Viola Lesseps.“ Sie möchte unbedingt Schauspielerin werden – und das ausgerechnet in Shakespeares Truppe. Zwei Welten treffen sich, die nicht zusammen sein dürfen. So wird es eine tragische Liebesgeschichte, die Shakespeare zum Stück „Romeo und Julia“ inspiriert. Ein Paar, das nicht zusammenkommen kann.

Für Hofmann ist „Shakespeare in Love“ ein „Seelenstück“, das seiner Meinung nach dramaturgisch und inhaltlich eines der besten Stücke der letzten Jahre ist. Hofmann: „Es verhandelt das Thema auf charmante und magische Weise, und ich bin mir sicher, dass es in der nächsten Zeit zu den meistgespielten Stücken auf Freilichtbühnen zählen wird.“

„Ich möchte, dass die Clingenburg Festspiele das ganze Jahr in Klingenberg präsent sind und nicht nur im Sommer für ein paar Wochen für Trubel sorgen“, kündigt der neue Intendant Wolfgang Hofmann auch Neuerungen an. „So haben wir am 25. November schon eine Winterlesung mit Texten für Kinder und Erwachsene geplant. Weiter könnte ich mir auch eine Wanderung durch die Weinberge vorstellen, bei der an verschiedenen Stationen Szenen aus Theaterstücken von den Schauspielern aufgeführt werden – sozusagen als Appetithappen für die Aufführungen auf der Burgruine.“

Zudem ist es Hofmann ein Anliegen, die Burg und die Umgebung, auf neudeutsch die „Location“, in die Inszenierungen zu integrieren. „Wie, weiß ich noch nicht genau. Aber die Atmosphäre dort oben soll ein wichtiger Bestandteil der Inszenierungen sein und dazu beitragen, dass der Besucher in eine andere Welt entführt wird und so eine außergewöhnliche Begegnung hat.“

Professionalität bewahren

Dass es im nächsten Jahr nur vier große Produktionen gibt, ist auch den Erfahrungen aus diesem Jahr geschuldet. Das Jubiläumsjahr ist, was den Zuschauerzuspruch betrifft, nicht optimal gelaufen. „Während West Side Story mit 12 500 Besuchern einen guten Zuspruch hatte, gab es bei Nathan der Weise mit 2500 Besuchern einen Einbruch“, resümierte der Vorsitzende des Vereins Clingenburg Festspiele Rainer Markens. „So hatten wir mit 28 000 Zuschauern rund 3000 weniger als geplant.“

Auch bei den Kinderstücken sei die Resonanz nicht zufriedenstellend gewesen. Da der Verein vom 1,2-Millionen-Euro-Etat 85 Prozent selbst erwirtschaften muss, habe dies dazu geführt, das Konzept zu überdenken. Markens: „Wir haben uns überlegt, wohin der Weg gehen soll, schließlich ist der Ticketverkauf die wichtigste Komponente in der Kalkulation, und wir müssen immer den Blick auf die Kosten haben.“

Es sei, so Markens weiter, der Trend hin zum eher seichten, unterhaltenden Theater festzustellen, die Klassiker verlieren beim Freilichttheater immer mehr an Anziehungskraft. „Es war aber relativ schnell klar, was wir nicht wollen, nämlich ein Laientheater“, führte der Vereinsvorsitzende aus. „Wir wollen weiter professionelle Leute haben und ein qualitativ gutes Theater machen.“ Deshalb habe man sich entschieden, sich auf vier Stücke zu beschränken, diese aber auf gewohntem Niveau zu präsentieren.

Wichtig für die Region

„Ich freue mich darauf, dass die Clingenburg Festspiele nun das ganze Jahr über zum kulturellen Leben der Stadt gehören werden“, freute sich Klingenbergs Bürgermeister Ralf Reichwein. Zudem sprach er den Vereinsmitgliedern ein dickes Lob aus: „Es kann Ihnen nicht hoch genug angerechnet werden, was sie für die Stadt und die Region Churfranken leisten.“