Kultur

Kulturpolitik Monika Grütters (CDU) ist seit vier Jahren Kulturstaatsministerin / Etat ist in den letzten zehn Jahren um 500 Millionen Euro gestiegen

Beharrlich bis zur Kompromisslosigkeit

"Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien" - der Titel ist sperrig, aber das Amt findet Monika Grütters (CDU, Bild) wunderbar. Seit vier Jahren ist sie Deutschlands oberste Kulturfrau. Und möchte nach der Bundestagswahl am 24. September nur allzu gern wieder in ihr Büro im Kanzleramt einziehen.

Grütters ist in der Szene bestens vernetzt. In ihrer kommunikativen Art plaudert sie mit Hollywoodstars genauso locker wie mit dem Museumswärter. Den größten Respekt holte sich die studierte Literatur- und Kunstwissenschaftlerin vielleicht ausgerechnet mit dem Thema, für das sie die meisten Prügel einstecken musste. Im vergangenen Jahr setzte sie das Gesetz zum besseren Schutz von Kulturgütern durch. Es soll national wertvolle Kunst vor der Abwanderung ins Ausland schützen und illegalen Handel mit Kunstschätzen aus Kriegs- und Krisengebieten eindämmen. Auch das Trommelfeuer der Kritik von Sammlern und Händlern und sogar die Konfrontation mit Künstlerstar Georg Baselitz ließen sie nicht einknicken. Inzwischen ist der Widerstand verstummt.

"Wenn ich zu einer Überzeugung gekommen bin und glaube, sie gut begründen zu können, dann bleibe ich auch dabei", sagt sie. Das heißt allerdings auch, dass sie gelegentlich eine Beharrlichkeit an den Tag legt, die an Kompromisslosigkeit grenzt - wie etwa bei den mühseligen Verhandlungen zum Hauptstadtfinanzierungsvertrag. Das auf zehn Jahre angelegte Millionenpaket kam trotzdem unter Dach und Fach. Der Bund wird danach künftig die Berliner Philharmoniker und die Opernstiftung mit unterstützen.

Bewährungsproben stehen aus

Internationale Aufmerksamkeit erregte Grütters, als sie nach dem spektakulären Fund der Gurlitt-Sammlung in München 2015 das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg ins Leben rief - ein Zeichen, dass Deutschland mit der Erforschung von NS-Raubkunst seine historische Verantwortung ernst nimmt.

Ein Lieblingskind der Kulturobersten bleibt nach wie vor der Film. Mit rund 180 Millionen hat sich der jährliche Förderetat in dieser Legislaturperiode mehr als verdoppelt.

Die im Wahlkampf konkurrierende SPD spricht dagegen von einer "durchwachsenen Bilanz". Grütters habe den Koalitionsvertrag zwar ordentlich abgearbeitet, aber keine langfristig wirkenden Konzepte entwickelt, sagt die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Eva Högl.

Die ganz großen Bewährungsproben stehen noch aus. So ist zwar für das Museum der Moderne in Berlin mit dem Schweizer Starduo Herzog & de Meuron ein prestigeträchtiges Architekturbüro gekürt, aber die Umsetzung des 200-Millionen-Euro-Projekts birgt noch viele Fallstricke. Auch das von Grütters wenig geliebte Denkmal zur Erinnerung an die deutsch-deutsche Wiedervereinigung harrt noch seiner Vollendung. Und für das Humboldt Forum im Berliner Schloss fehlt noch das viel beschworene "Konzept aus einem Guss". Kosten: 600 Millionen Euro.

In den vergangenen zehn Jahren ist der Kulturhaushalt um rund 500 Millionen Euro gestiegen - von 1,1 Milliarden 2007 auf 1,63 Milliarden Euro 2017. Größte Posten im Etat sind die Deutsche Welle (325 Mio.), die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (275 Mio.) und die Förderung von Kunst und Kultur in der Bundeshauptstadt (104 Mio.). (Bild: dpa) dpa