Kultur

Musiktheater „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen stürmisch gefeiert / Sänger ernten stärkeren Applaus als das Regieteam

Beinharte Kritik an Religionen

Archivartikel

Erst feiern sie weihevoll Abendmahl, die Gralsritter laben sich am Blut des verletzten Amfortas, der Gral auf der Bühne des Bayreuther Festspielhauses kann gar nicht groß genug sein. Doch am Ende beerdigen Muslime, Juden und Christen gemeinsam die politisch instrumentalisierten Symbole ihres Glaubens. Sie finden den Frieden ohne Religion. Sinnbildlicher kann Regisseur Uwe Eric Laufenberg in seiner Inszenierung des „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen gar nicht ausdrücken, dass er die Religionsausübung in Frage stellen will. Die Aufführung wurde am Dienstagabend stürmisch gefeiert.

Zur Unterstützung von Laufenbergs These wird im Programmheft gar der Dalai Lama mit dem Satz zitiert: „Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten.“ Als der Regisseur Richard Wagners letzte Oper 2016 für die Festspiele inszenierte, wütete gerade islamistisch motivierter Terror in Europa. Laufenbergs Infragestellung der Religion war hochaktuell. Drei Jahre später ist der Terrorismus seltener in den Schlagzeilen, dem Bayreuther Publikum scheint die Deutung Laufenbergs aber nach wie vor zu gefallen.

Und es gibt noch einen Bezug zur politischen Lage vor drei Jahren: Gleich zu Beginn der Inszenierung müssen Flüchtlinge aus dem Kirchenasyl verschwinden, damit die Gralshüter ungehindert Gottesdienst feiern können. Die von Granateneinschlägen beschädigte Kirche befindet sich freilich in einem Kriegsgebiet irgendwo im Nahen Osten. 2015 war die Flüchtlingskrise in Deutschland auf ihrem Höhepunkt gewesen.

Das Bayreuther Publikum erlebte am Dienstag eine glanzvoll auftrumpfende Sängerriege. Vor allem Günther Groissböck als stimmlich wie körperlich Autorität ausstrahlender Gurnemanz, Elena Pankratova als besonders in der Höhe stimmgewaltige Kundry und Andreas Schager mit seinem in jeder Tonlage durchdringenden Tenor in der Titelpartie wurden vom Publikum regelrecht mit Ovationen bedacht.

Dirigent frenetisch beklatscht

Auch Derek Welton als Klingsor, Ryan McKinny in der Rolle des Amfortas und Wilhelm Schwinghammer als Titurel überzeugten. Frenetisch gefeiert wurde zudem Dirigent Semyon Bychkov. Wie immer in Topform präsentierten sich Chor (Einstudierung: Eberhard Friedrich) und Orchester der Festspiele. Für das Regieteam um Uwe Eric Laufenberg fiel der Applaus nicht ganz so stürmisch aus. dpa

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