Kultur

Festival des deutschen Films In „Rufmord“ kämpft eine stolze Frau um die Wahrheit – und in „Liebe auf Persisch“ ein ungleiches Paar um eine gemeinsame Zukunft

Beklemmendes Drama mit klugem Finale

Archivartikel

Die Zeitebenen wechseln: Von Luisa, der engagierten Lehrerin, zu Luisa, deren Leiche gesucht wird, genau wie ihr Mörder. Die Tragödie im Film „Rufmord“ beginnt mit einem Nacktfoto auf der Schulwebseite – und für die junge Pädagogin ist nichts mehr, wie es war. Kolleginnen lassen sie fallen, Eltern wüten, Perverse sprechen ihr auf die Mailbox. Die Beziehung bröckelt.

„Rufmord“ von der Schweizer Regisseurin Viviane Andereggen konkurriert beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen um den Medienkulturpreis: eine Auszeichnung für einen Fernsehfilm mit „cineastisch besonders gelungener ,Kino-Qualität’“. Beträchtlichen Anteil an der hohen Qualität dieses TV-Werks hat Hauptdarstellerin Rosalie Thomass. Sie kämpft anfangs noch stolz und trotzig um die Wahrheit. Sie scheut sich nicht, den mächtigen Bauunternehmer Georg Bär (Johann von Bülow) offen für die Rufmord-Kampagne verantwortlich zu machen. Sie hatte seinem Sohn Paul nicht die gewünschte Gymnasialempfehlung gegeben. Rosalie Thomass vergegenwärtigt dem Zuschauer eindrucksvoll den Kampf gegen Windmühlen, den ein Opfer von Cybermobbing führt. Im Kinosaal breitet sich Beklemmung aus. Man leidet mit, bewundert ihren Mut – und sieht sie doch machtlos scheitern. Oder?

Etwas überzogene Szenen

Allein an Subtilität mangelt es dem spannenden Film an einigen Stellen: bei der skrupellosen Machtfigur Bär, bei überzogenen Szenen im „Dorfkrug“, bei der Hartherzigkeit des Lehrerkollegiums. Ein kluges Finale aber lässt über diese Grobschnitzigkeit hinwegsehen.

Wesentlich leichter und heiterer fällt „Liebe auf Persisch“ aus. Eine Komödie über den Zusammenprall von Kulturen im Wettbewerb um den Publikumspreis. Sie kommt zwar nicht gänzlich ohne Klischees aus (Der deutsche Besucher zu iranischen Kindern: „Ich wette, ihr habt noch nie etwas von Recycling gehört?“). Auch nicht ohne Kalauer wie „Flitzerwochen“ statt Flitterwochen oder „Hummeltitte“ statt Gänsehaut. Aber obwohl der Fortgang der Handlung schon früh absehbar ist, ist der Film von Regisseur Florian Baxmeyer sehenswert – allein schon wegen der beeindruckenden und seltenen Bilder aus dem Iran.

Dorthin ist Robert (Felix Klare) seinem Vater (Günther Maria Halmer) gefolgt, der – das sagt jedenfalls die Mutter – Schulden eintreiben will. Robert reist in Begleitung von Shirin (absolut entzückend: Mona Pirzad) und lernt von der jungen Frau vieles über das fremde Land und sich selbst. Und er lernt seinen Vater, zu dem er ein sehr distanziertes Verhältnis hat, besser kennen.

Vor allem durch das so ungleiche, und doch so herrlich harmonierende Hauptdarsteller-Paar und durch Feinheiten wird „Liebe auf Persisch“ zu einem warmherzigen, witzigen Film: Wie Shirin „Alter“ sagt, weil sie mit Rapsongs von Sabrina Setlur Deutsch gelernt hat. Wie sie einen inneren Konflikt austrägt zwischen Traditionsbewusstsein und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung. Nicht das Kopftuch sei das Problem, sagt sie zu Robert. „Sondern das, was darunter ist“: Eine junge Frau, die so viele Ideen im Kopf hat, damit aber nichts anfangen könne. Shirin bleiben nur noch ein paar Tage – Robert begreift nicht, dass die Aussage eines Bekannten keineswegs auf eine schwere Krankheit abzielt. Sondern auf die bevorstehende Hochzeit der freigeistigen Iranerin.