Kultur

Mozartfest Late-Night-Konzert in der Sepultur im Würzburger Kiliansdom / Hommage an Richard Wagner

Berührende „Nachklänge im Echoraum“

Archivartikel

Voller Spannung wurde „Nachklänge im Echoraum“, ein neues Format des Mozartfestes erwartet; dreißig Minuten nach dem Domkonzert der Bamberger Symphoniker mit Bruckners siebter Sinfonie (siehe weiteren Bericht) ging es in die Sepultur, der Grabstätte der Domherren, die rund 200 Zuhörern Sitz- oder Stehplätze bietet.

Der Raumwechsel bringt eine neue Atmosphäre, einen anderen Klang und dockt doch mit einer „Hommage à Wagner“ als Echo an Bruckner an. Der Abgesang mit Wagnertuben am Ende des Adagio ist Bruckners Gedenken an den gerade verstorbenen Richard Wagner.

Gesamtkomposition

Zu hören ist „Wagner reloaded“ mit einer eher assoziativ wirkenden Gesamtkomposition, die zu einer zusätzlichen Hommage à Dieter Schnebel gerät. Denn 2017 war der gebürtige Lahrer kurzfristig beim Mozartfest für den erkrankten Wolfgang Rihm als Komponist der Gegenwart eingesprungen. Mit eigenen Kompositionen ist er jetzt beim Mozartfest vertreten, zwei Wochen nach dem Tod des 88-Jährigen in Berlin.

Zu hören ist ein „Wagner-Idyll“; eine Bearbeitung des „Karfreitagzaubers“ aus Parsifal, genauer: die Originalmusik von Wagner in harmonischer und instrumentatorischer Verfremdung. Der Wagner-Interpretation werden mit Chorbearbeitungen von Clytus Gottwald und Instrumentalstücken von Dieter Schnebel anregende Facetten hinzugefügt. Neue Musik, interpretiert von jungen Künstlern, wie dem von Alexander Sinan Binder geführten Instrumentalensemble „Ensemble Revision“, dem „Vokalensemble Crescendo“ unter der Leitung von Volker Hagemann und der grandiosen Sopranistin Franziska Andrea Heinzen.

Chor und Orchester nehmen das Publikum in ihre Mitte; gespielt und gesungen wird eine 45-minütige Gesamtkomposition, darunter zwei bearbeitete Wesendonck-Lieder von Wagner. Auf Schnebels „Wagner-Idyll“ folgen Auszüge aus seinem „Mild und leise“, betroffen machende Ingeborg Bachmann-Gedichte aus der Krisenzeit der Trennung von Max Frisch, durchwirkt mit Fetzen aus dem Tristan-Libretto; Husten, Röcheln und ersticktes Atmen der todkranken Bachmann wird imaginiert und Heinzens Stimme – gehaucht, geflüstert, gefetzt – werfen die Zuhörer in ein emotionales Schüttelbad. Wagners Musik, eingebunden in Schnebels unerhörte Klänge.

An die vorherige 7. Sinfonie knüpfen zuvor die Passionsmotetten „Christus factus est“ von Bruckner und „Ecce quomodo moritur iustus“ von Gallus an.