Kultur

Jazz Zum 80. Geburtstag von Saxofonist Pharoah Sanders

Beseelter Feuerspeier

Als junger Free-Jazz-Musiker hat Pharoah Sanders das Spiel auf dem Tenorsaxofon in den 1960er Jahren in Grenzregionen des gerade noch Artikulierbaren vorangetrieben – mit schroffen Spaltklängen, schrillen Mehrfach-Sounds, quietschenden Geräuschexperimenten und kreischenden Überblaseffekten von schreiender Intensität. An diesem Dienstag feiert der einstige Bilderstürmer seinen 80. Geburtstag.

John Coltrane holte ihn 1965 in seine Band, sein Debüt gab er auf dem epochalen Werk „Ascension“. Sanders wurde zum wilden Einpeitscher, von dem Coltrane sich in furiosen Duellen zu ekstatischen Sturmläufen antreiben ließ. Beide verband eine tiefe Spiritualität, die Sanders’ Musik auch nach dem Tod seines Mentors 1967 prägte.

Rockmusiker beeinflusst

In seinen eigenen Werken vereinte Sanders frenetische freie Ausbrüche mit hymnischen Melodien und hypnotischen Pendelharmonien. Er beeinflusste damit selbst Rockbands wie MC 5 und Iggy Pops Stooges. Sein Album „Karma“ (1969) mit dem Song-Klassiker „The Creator Has A Master Plan“ wurde zur Kultplatte.

Doch seine Musik erstarrte und führte in eine kreative Sackgasse. Sanders, der in den 80ern eine Art Coltrane-Klassizismus betrieb, präsentierte nur selten so überzeugende Alben wie „Journey To The One“ (1980). Im Alter jedoch feierte er ein Comeback. Die CD „Spiral Mercury“ (2014) mit Trompeter Rob Mazurek zeigte Sanders, der 1981 in Mannheim und 2002/3 bei Enjoy Jazz jeweils in Heidelberg gastierte, als gereiften Klassiker von großer emotionaler Kraft.

Zum Thema