Kultur

Würzburger Bachtage Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach aufgeführt

Besinnlich und frohlockend

Die Würzburger Bachtage hatten sich in der ausverkauften St.Johanniskirche die Kantaten I-III auf die drei Weihnachtsfeiertage des Weihnachtsoratoriums BWV 248 von Johann Sebastian Bach vorgenommen, die häufiger zur Aufführung kommen als die Kantaten IV-VI, stehen sie doch in der Beliebtheitsskala beim Publikum ganz oben.

Idyllische Betrachtungen und Jubelchöre des vorbildlich einstudierten Bachchors hoben sich abwechslungsreich von den je nach Textinhalt differenziert dargebotenen Chorälen ab. Matthias Querbachs Interpretation hatte mit dem Bachchor, den Münchner Bachsolisten und mit der Auswahl der vornehmlich auf barocke Musizierweise spezialisierten Gesangsolisten, darunter Julia Sophie Wagner, Sopran, Nicole Pieper, Alt, Andreas Weller, Tenor und Martin Schicketanz, Bass, eine glückliche Hand bewiesen.

Der Chor sang sichtlich engagiert, die Augen und Ohren hellwach auf die Intentionen und Inspirationen des Dirigenten gerichtet. Die keinesfalls tonlich eingetrübte oder gar rhythmisch wackelige Ausführung hatte die musikalische Wiedergabe nicht aus dem Ruder laufen lassen. Schön ausgestaltet auf der Violine hatte Konzertmeister Florian Sonnleitner seine alternierende Partie in der Arie „Schließe, mein Herze“ auswendig vorgetragen, völlig eins mit dem wunderbar ausgewogenen Sologesang der Altistin.

Der Tenor sang ebenfalls ohne Noten die Rezitative der Evangelientexte und brillant die Koloraturen in der Arie „Frohe Hirten, eilt“ mit Hinzudichtungen um das Geschehen der weihnachtlichen Frohbotschaft. Ein Sonderlob auch der lupenrein und glanzvoll blasenden Trompeterin in der groß ausgesungenen Bassarie „Großer Herr und starker König“, und auch dem Kontrabass, der ständig in der Partitur unterwegs war und nicht unwichtig das konzertierende Leben dieser Musik wesentlich unterstützt hat.

Dirigent Matthias Querbach wirkte gelöst, unverkrampft, ließ die Musik fließen und atmen, fern von jeglicher Hektik bei Überleitungen von geruhsamen Momenten hin zu ausbrechendem Lobgesang. Spieltechnisch akkurat und mit samtenem Klang wirkte das Orchester, klanglich gemalt wie mit feinen Pinselstrichen.

Die Darbietung insgesamt erlebte man als einen Hauch zeitloser Gültigkeit mit einem überaus menschlichen Gesicht.

Alle Vokalsolisten verband stimmliche Schönheit einhergehend mit erzählerischer Aussagekraft, die ohne Manierismen auskam. Souverän war die Balance zwischen Chor und dem Orchester. Leichtgewichtige Chorstimmen wechselten über zu festlichem Überschwang gleich zu Beginn der ersten Kantate „Jauchzet, frohlocket“, beim Wort genommen durch die aufstampfenden Pauken und hellstimmig schmetternden Trompeten.

Schön wiegend kam die pastorale Sinfonia zu Beginn der zweiten Kantate zur Wirkung. Auf der anderen Seite zogen sich die Choräle nicht bedeutungsschwanger dahin, sie flossen in einem natürlichem Gesangstempo, das dennoch genügend Empfindsamkeit zuließ.

Weder rhetorische Mätzchen noch übertrieben expressive Theatralik verstörten den Gesamteindruck dieser besinnlichen wie frohlockend weihnachtlichen Musik.

Enthusiastischer Beifall.